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Oostende/Ostende
Text und Fotos: © Martin Schlu 2008-2024 / Stand: 18.März 2026
                                
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Oostende

Geschichte Oostende  - 
Innenstadt  -  Ensor Haus  -  Bahnhof Strand  Rückweg 
Oostende ist eine der größten Städte Flanderns, doch mit gut 70.000 Einwohnern trotzdem überschaubar. Mit der Bahn ankommende Reisende schauen vom imposanten Bahnhofsgebäude direkt auf den Stadthafen, an dem üblicherweise genug Schiffe liegen, daß das Hafenflair auch ausbrechen kann. Autofahrende Touristen werden ins Centrum so geleitet, daß sie an besagtem Bahnhof landen und dort - am „Winston Churchill Parking“ - auch ausreichend Parkplätze finden. Wer Glück hat findet das Parkhaus am Strand (Zeedijk), von wo man zum Meer oder in die Fußgängerzone kann. Die Innenstadt liegt nämlich nicht am Bahnhof oder am Hafen, sondern zwischen dem Bahnhof/Hafen und dem Strand, schön schachbrettartig angelegt und doch im Aufbau so ähnlich, daß man sich wunderbar verlaufen kann (Das Handy liefert zu ungenaue Angaben, weil der Empfang durch die Hochhäuser oft gestört ist).


Geschichte
Oostende hatte früher eine wechselvolle Geschichte, aber immer eine hohe Bedeutung für das Land. 1604 wurde die niederländische Stadt im achtzigjährigen Krieg von den Spaniern belagert und eingenommen. Gut hundert Jahe später kam sie nach Österreich, 1722 wurde sie für das Heilige Römische Reich deutscher Nation (HRR) Ausgangspunkt zum Seehandel nach Ostindien, kam nach dem Wiener Kongreß wieder an die Niederlande und als Belgien 1831 gegründet wurde, hatte der erste König, Leopold, natürlich seine Hand auf die Stadt gelegt und so ist es bis heute. Oostende wurde der wichtigste Fährhafen nach England, Frankreich und Deutschland und bis zum Ersten Weltkrieg vor allem ein mondäner Badeort mit Hunderten Villen, Hotels und Herrenhäusern im klassizistischen bis viktorianischen Stile.

Der Erste Weltkrieg machte aus dem Strand eine deutsche Flakschule, ein englisches Protektorat und danach wieder eine belgische Stadt. Im Zweiten Weltkrieg war der größte Teil der alten Stadt von deutschen Bombern zerstört worden, obwohl das eigentlich Ziel die Hafananlagen waren. Es gibt zwar immer noch viel alte Substanz, doch die dritte Zerstörung der Stadt fand durch die unsägliche Architektur ab 1950 statt, als man Oostende als „moderne“ Stadt aufbauen wollte. Das Ergebnis spricht für sich:

Quadratisch, praktisch und fast überall gleich aussehend - Ostende heute
Oben: Quadratisch, praktisch und fast überall gleich aussehend - Ostende heute (Vlanderenstraat)

Oostende teilt mit Belgien die Lage, daß das Gebiet durchgehend am Meer liegt und weil der Strand zwischen der holländischen und der französischen Nordseeküste nicht unterbrochen ist, gibt es jede Menge Platz um wundervolle Hochhäuser zu bauen, die Millionen von Touristen beherbergen könnten, deren Ferienwohnungen alle Meerblick haben. Leider hat man vergessen eine Infrastruktur zu diesen Bettenburgen anzulegen und weil es am Starnd im Sommer nur Fritten- und Eisbuden und ein paar Cafés gibt, müssen im Hochsommer alle Burgenbewohner mit dem Auto oder Fahrrad in die Innenstadt strömen, wo es die Supermärkte, Läden und Restaurants gibt. Wenn man kleine Kinder hat, könnte man zwar direkt per Fahrstuhl von diesen Wohnungen an den oft nur dreißig Meter entfernten Strand gehen, doch wenn die Blagen elf oder zwölf sind, brauchen sie etwas Anderes. Also läßt man die Pubertiere entweder per Straßenbahn in die Stadt fahren oder sucht sich eine Bleibe, wo es mehr gibt als Sonne und Strand. Doch wenn man Sonne, Sand, Meer und Windräder gucken will, gibt es nichts Besseres als so eine Wohnung im sechzehnten Stock.

Sechzehn Etagen Meerblick (Straßenseite)
Oben: Sechzehn Etagen Meerblick (Straßenseite)


Unten: Die drei wichtigen Farben des Ausblicks: blau (Himmel), grau (Meer) und hellbraun (Strand).

Die wichtgen Farben des Ausblicks: Himmel, Meer, Strand

Am Strand passiert nichts, aber das rund um die Uhr. Jede Menge Besucher joggen, laufen oder sitzen am Strand, die Kinder buddeln und die Möwen schreien. Nachts sieht man am Horizont die wartenden Schiffe, die rot, grün und weiß blinken und auf ihre Abfertigung warten. Man hat überall freie Sicht auf den Ärmelkanal und die Windparks - doch bis England kann man nun doch nicht gucken.

Unten Die Strandskyline im Abendlicht - da wirkt es nicht so schlimm
Die Strandskyline im Abendlicht

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Innenstadt
Egal, ob man aus Richtung Hafen/Bahnhof Richtung Strand läuft oder vom Strand in die Gegenrichtung, die Viertel sehen im Innenstadtbereich alle viel zu ähnlich aus. In der Weihnachtszeit ist es knallvoll, in der Saison ist es nur voll und im März ist es leer. Weil es aber überall kleine Cafés gibt, findet man im Notfall immer ein Plätzchen für eine Pause. Wer shoppen will, kann ausgiebig gucken, wird aber feststellen, daß die speziellen Geschäfte nicht in der Innenstadt liegen, sondern daß es hier eben den Mainstream gibt: Handyzubehör, Süßigkeiten, Drogerie, Klamotten, Schuhe, Sport, Cafés und wieder von vorne. Spezialitäten sind „Blokker“ und „Hema“, holländische Ketten, die das verkaufen, was man nicht braucht, aber dies ungeheuer anziehend präsentieren. Irgendetwas findet man immer, was es zu Hause nicht gibt und was man unbedingt kaufen muß. Selbst ein Apple-Store fand sich. Nur Antwerpen und Gent können von den Einkaufsmöglichkeiten hier mithalten, Brugge eher nicht und alle anderen Städte in Flandern sind kleiner. Angeblich soll es in Oostende 300 Restaurants geben - ich halte es für möglich und denke, die Hälfte davon ist bestimmt in dieser Straße.

Aufgefallen ist mir die große Zahl an Veranstaltungen, die auch für eine Großstadt nicht schlecht wären. Fast überall liegt ein kleines Heft aus („Uit in Oostende de Stad an Zee“), in dem auf etwa sechzig Seiten die Veranstaltungend es Monats aufgelistt sind. Hut ab (Chapeau)!

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Ensor-Haus
Es gibt viel zu entdecken. An der Kreuzung zur Vlaanderenstraat/Adolf-Buylstraat (Vlanderenstraat 29) steht das ehemalige Wohnhaus  von
James Ensor, das längst ein Museum geworden ist und täglich von Hunderten Kunstinteressierten besucht wird. Wir haben für einen entspannten Besuch gut zwei Stunden gebraucht und im ersten Stock hatte man den Meerblick (die Sichteinschränkung durch die typischen Strandhochhäuser hatte der Maler natürlich nicht). Wenn man etwas weiß, findet man Details, wenn man neu ist, bekommt man einen guten Überblick. Die Wohn- und Arbeitsräume Ensors hat man so belassen, sie bei seinem Tod 1949 waren und sie strahlen immer noch seinen eigenwilligen Charakter aus. Man ist geradezu versucht auf dem Klavier oder dem Harmonium zu spielen, weil sie so auufordernd dastehen. Ich habe es mir aber verkniffen.

Wohnzimmer im Ensor-Haus


Sehr schön waren die Fotos des alten Oostende um 1925 und Ensors Bilder und Sammlerstücke kann man hier gut anschauen, denn Ensors Mutter betrieb ein Souvenirgeschäft und handelte mit
Fähnchen und Schildern, aber auch Schädeln und Tieren aus den belgischen Kolonien. Man hat auch den Laden so belassen, wie er bei Ensors Tod war - inclusive des damals angebotenen und heute nicht mehr käuflichen Krokodils im grünen Schaufenster. Das Wort „Kolonialwaren“ bekommt hier also eine ganz neue Bedeutung.

Das Ensorhaus
Das Ensorhaus an der Ecke Vlanderenstraat 27

Weil dieses Jahr (2024) auch das Ensor-Jahr ist/war, gab es allein in Oostende drei Schwerpunkte: Das Ensor-Haus wurde genannt, doch es gibt noch den Ensor-Spaziergang und die Ausstellung im Mu.Zee. Es war alles im Preis inbegriffen.

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Bahnhof
Mit dem Ausbau des Hafens Zeebrugge hat Oostende etwas an Bedeutung verloren. Dennoch kommen jeden Tag genug Besucher, teilweise auch mit der Straßenbahn, denn die „Kust-Tram“ („De Lijn“) hält hier auch auf dem Weg zwischen Frankreich und Holland und es gibt nur wenige Städte, wo man so schnell vom Zug aufs Schiff kommen kann.

Der Bahnhof ist ein Kopfbahnhof - daher die Größe.
Der Bahnhof ist ein Kopfbahnhof - daher die Größe.

Vom Bahnhof zur Innenstadt gibt es zwei Routen, die etwa gleich lang dauern. Der einfache Weg führt (den Bahnhof im Rücken) über die Kapellenstraat einfach geradeaus, links an der Kathedrale vorbei und - als Vlanderenstraat - durch die Fußgängerzone zum Strand. Der schönere Weg führt erst Richtung Hafen, dort geht man an den Freßbuden vorbei und hat immer gefäßige Möwen um sich. Man sollte sie auf keinen Fall füttern, sie haben sich so sehr in der Innenstadt breit gemacht, daß fast alles mit Möwenscheiße bekleckert ist - auch das Plakat, das vor dem Füttern warnt und mit einem Bußgeld von € 250.- droht. Das habe ich an der Ostsee auch schon mal mit € 500.- gesehen. Dort weiß man aber auch, daß man im Freien nichts ißt und nichts liegenläßt, was die Möwen anzieht. Hier sollte man im Hafen nichts Eßbares in der Hand halten - die Möwen sind sehr lernfähig.

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Strand
Hinter den Freßbuden sieht man bereits den Strand, und am Wasserspiegel und den Feuchtbiotopen des Hafenbeckens erkennt man den Tidenhub: Etwa drei  bis vier Meter zwischen Ebbe und Flut sind immer drin. Auf der etwa 500 Meter langen Seebrücke ist es an Silvester recht frisch und man kann auch nicht bis zum Ende gehen, die meisten verlassen die Seebrücke nach zwei Drittel der Strecke und  gehen über den Strand Richtung Hochhaus
- aber die Angler freut es, denn so können sie in Ruhe angeln. Übrigens lassen die Angler nie (!) einen gefangenen Fisch auch nur für Sekunden aus den Augen (s.o.).

Beim Foto war Ebbe - kurz vor Niedrigwasser.
Beim Foto war Ebbe - kurz vor Niedrigwasser. Am Gebälk sieht man, wie hoch die Tide bei Flut geht.

Beim Näherkommen des Strandes sieht man, wie effektiv die Stadtverwaltung den Strand verschandelt hat - noch schöner kann man das nur in Blankenberge erleben. Jedenfalls ist das bißchen Sonne durch die Hochhausschluchten ratzfatz verschattet und es pfeift dort ein Wind wie beim Vorplatz am Kölner Dom. Am Hochhaus sieht man sofort wo die Fußgängerzone losgeht (das sieht man sowohl am Strand von Bredene, Den Haan und bei gutem Wetter auch von Blankeberge) und die vielen Schilder mit „Te Koop“ und „Te Huur“ machen klar, daß die Immobilienpreise offensichtlich sinken. Die Promenade ist breiter als in De Haan, der Strand bei Flut allerdings weniger breit und die Brandung vor allen Dingen etwas wilder, weil die Wellen direkt am Strand ankommen.


Noch schlimmer ist nur die Skyline von Blankenberge
Noch schlimmer ist nur die Skyline von Blankenberge - billiger sind die Appartements dort aber auch nicht. Es ist etwa mit Venedig vergleichbar.
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Rückweg
Am Hochhaus findet man wieder die Fußgängerzone (Vlanderenstraat).  Der Rückweg zur Bahn ist dann einfach: Man geht die Straße immer weiter, kommt an der doppeltürmigen „Sint Petrus en Pauluskerk“ vorbei, nähert sich wieder dem Hafen und ab der Kirche sieht man wieder den Bahnhof und weiß, wo man hin muß.

Sint Petrus en Pauluskerk - eher eine Kathedrale als eine Kirche
Sint Petrus en Pauluskerk - eher eine Kathedrale als eine Kirche

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Links über Ostende:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ostende
http://nl.wikipedia.org/wiki/Sint-Petrus-en-Pauluskerk_%28Oostende%29

Link zum Fahrplan „De Lijn“
http://www.delijn.be/de/lijnen/lijn/5/500/2#2

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