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Das
erste Mal in Bayern war ich 1977 in der Oberstufe, als ich mit meinem
Schulfreund Uli nach München trampte, weil wir uns Hochschulen angucken
wollten. Uli wollte Kunst studieren, ich Gitarre und wir waren eine
Woche dort und erlebten München so intensiv, wie man es nur als junger
Mensch machen kann. In Schwabing hörten wir Thomas Freytag als Franz
Josef Strauß, erlebten den damals noch fast unbekannten Konstantin
Wecker, hörten im Domicile die englische Band Gong und Peter
Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass.
Ich bekam Kontakt zu Musikern des Herbolzheimer-Umfelds und Uli lernte junge Künstler kennen. Nach dem Abitur ging er nach München, lebte in einer Studenten-WG in der Rassogasse in Aubing und jobte beim Bayrischen Rundfunk am Zeilenschriftgenerator. Der konnte - ganz neu damals - Schriften erzeugen, die dann als Vorspann oder Abspann eingeblendet wurden. Ich dagegen blieb im Rheinland, studierte dort Musik, kam aber immer wieder nach Bayern - meistens nach München. Weil ein privates Studium für Jazzgitarre damals nicht bezahlbar war, wurde ich Kirchenmusiker und Musiklehrer im Rheinland und habe dies nie bereut. Als wir uns nach -zig Jahren wieder trafen, kurz vor der Pension, war Uli Professor für Mediengestaltung geworden, hatte an der Entwicklung von Google Earth mitgearbeitet und galt als arrivierter Wissenschaftler. Ich hatte mein Leben lang Musik gemacht und unterrichtet und nun viel Zeit zum Reisen und Schreiben. ![]() Schloß Neuschwanstein von den Schwangauer Wiesen aus. Schloß Neuschwanstein kannte ich natürlich von Bildern, doch es machte bei mir erst Klick, als ich 2006 in Paris eine Ausstellung über Walt Disney sah. Dort waren seine Reisen nach Europa in den 1930er Jahren dokumentiert und ich sah Entwürfe von ihm, in denen er Neuschwanstein für den Film „Schneewittchen“ abgezeichnet hatte. Da begriff ich, warum so viele Amerikaner in München und Bayern zu finden sind - über die Disney-Filme haben sie die Assoziation verinnerlicht, wie ein Märchenschloß auszusehen hat und alles, was älter als hundert Jahre ist, ist dann Kultur. Da war ich froh, daß Walt Disney nach Neuschwanstein gekommen war und nicht zur Drachenburg nach Königswinter - wir hätten die Massen von Amerikaner dann wohl im Siebengebirge und „Babylon Berlin“ gucken die nicht. Daß Bayern mehr ist als die Heimat von Franz-Josef Strauß, Edmund Stoiber und Markus Söder, merkt man erst richtig, wenn man aus München raus ist und das Land mit seinen Feldern, Wiesen und Bergen beginnt. Es gibt eine Einschränkung beim Reisen: Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte haben keinen Spaß an diesem Land, denn Bayern ist nicht behindertengerecht. Wozu auch? Der/die typische bayrische Einwohner/in ist gut zu Fuß und wer München verlässt, tut dies nur um zu klettern, zu wandern oder Fahrrad zu fahren. In etlichen Wochen mit einer Tochter im Rollstuhl durch die Provinz wurde dies ganz deutlich, wenn etwas wieder nicht besichtigt werden konnte, weil etliche Stufen zu überwinden waren. Für Bayern gelten also feste Schuhe, gute Trittsicherheit und eine gewisse Kondition. Positiv ist das Essen: Wenn man nicht Muslim oder Jude ist, wird man nichts Besseres essen können als einen bayrischen Schweinebraten und bayrischen Würste. Nach etlichen Testessen habe ich zwar am Bauch zugelegt, doch dabei die Gewißheit erworben, daß man in NRW eher in einer kulinarischen Wüste lebt. Bayrisches Schwein (Haxn) auf der einen Seite - 'ne halleve Hahn (kölsches Käsebrötchen) auf der anderen Seiten - das ist so wie Bayern München gegen den SG Wattenscheid. Nach vielen Aufenthalten zwischen Nordfranken und Berchtesgaden traue ich mich aber jetzt, über das Land zu schreiben, das ich zwar immer mochte, in dem ich aber eher Besucher war und vor allem immer ein „Saupreiß“. ![]() Pegnitz-Ufer in der Nürnberger Innenstadt (ohne Touristen) Literatur zum Einlesen Wenn man etwas über die bayrische Mentalität lesen will, ist es nicht verkehrt mit Rita Falk zu beginnen. Die hat einen eigenen Kosmos über einen bayrischen Macho-Polizisten Eberhofer erschaffen, seinen etwas dämlichen Spezi Birkenberger und viele Menschen, die man so alle schon erlebt hat. Mittlerweile ist der dreizehnte Band herausgekommen, der zwölfte Band verfilmt und ein Ende ist sicher nicht abzusehen. Etwas Vergleichbares gibt es nur bei den Venedig-Krimis von Donna Leon. Ähnlich wie in vielen Provence-Krimis stehen hinten Übersetzungen für bayrische Redewendungen und ausgesuchte Rezepte. Winterkartoffelknödel. Roman. dtv, München, 2010, ISBN 978-3-423-24810-5. Dampfnudelblues. Roman. dtv, München, 2010, , 2011, ISBN 978-3-423-24850-1. Schweinskopf al dente. Roman, dtv, München, 2011, ISBN 978-3-423-24892-1. Grießnockerlaffäre. Roman. dtv, München, 2012, ISBN 978-3-423-24942-3. Sauerkrautkoma. Roman. dtv, München, 2013, ISBN 978-3-423-24987-4. Zwetschgendatschikomplott. dtv ,München, 2015, ISBN 978-3-423-26044-2. Leberkäsjunkie. Roman. dtv, München 2016, ISBN 978-3-423-26085-5. Weißwurstconnection. Roman, dtv, München 2016, ISBN 978-3-423-26127-2. Kaiserschmarrndrama. Roman, dtv, München 2018, ISBN 978-3-423-26192-0. Guglhupfgeschwader. Roman. dtv, München 2019, ISBN 978-3-423-26231-6. Rehragout-Rendezvous. Roman. dtv, München 2021, ISBN 978-3-423-26273-6. Steckerlfischfiasko. Roman. dtv, München 2023, ISBN 978-3-423-26377-1. Apfelstrudel-Alibi. Roman. dtv, München 2025, ISBN 978-3-423-26445-7. zurück - Franken - die Pfalz - Schwaben - Niederbayern - Oberbayern - München |
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