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Baden - Nach Württemberg - Heiratspolitik - andere Politik -
Baden und Württemberg sind keine siamesischen Zwillinge, sondern verhalten sich zueinander wie Rheinländer und Westfalen, die auch 1952 zusammengehen mußten, obwohl sie es nicht wollten. Über deren Zwangsehe nach den Geburtswehen der damaligen BRD witzelte der spätere Rheinlandfachmann Konrad Beikircher: „Es war furchtbar, aber es mußte ja sein“. Den Westfalen sagten die Rheinländer ja nach, sie würden zum Lachen in den Keller gehen, aber da ich selbst gebürtiger Westfale bin, weiß ich, daß ich nur in den Keller gegangen bin, weil etwas geholt werden mußte. Lachen gehörte nach meiner Erinnerung nicht dazu. Baden war schon zu Römerzeiten eine Stadt , die man wegen der Heilquellen besuchte. Im 4. Jahrhundert bürgerte sich der Name „aqua“ für die Badethermen ein, nach dem Vorbild der römischen Caracalla-Thermen. im neunten Jahrhundert war es das Wort „badon“. Im Mittelalter war Baden eine Markgrafschaft. Hermann II. von Baden, ein Sohn des Markgrafen von Verona, wurde 1087 Markgraf des Breisgau und 1100 auch noch Markgrafen von Limburg, so daß er ein Gebiet zwischen Italien und den heutigen Niederlanden regierte. Bei den Auseinandersetzungen 1098 zwischen den schwäbischen Staufern und den schwäbischen Zähringern um die Grenzen Schwabens konnte Hermann geschickt vermitteln, die Staufer klein halten und für seine Beratertätigkeit wurde er von Kaiser Heinrich IV. (dem Canossa-Kaiser) mit dem Gebiet um Baden und einem Kloster belohnt. Als Zeichen seiner Macht ließ sich Hermann auf dem Battertfelsen bei Baden ab etwa 1100 die Burg Hohenbaden errichten - zunächst die Oberburg - und benannte sich 1112 zum Markgraf von Baden um. ![]() Die Burg Hohenbaden heute - die Unterburg ist die von Hermann, die Oberburg die von xxx 1219 kamen noch die Bereiche um Pforzheim, Backnang, Mundelsheim und Besigheim dazu (Neckargebiet) und in den nächsten Jahrzehnten noch die Gebiete Karlsruhe und Stuttgart bis zum Breisgau (Freiburg). nach oben Die Stadt Baden in der Markgrafschaft Baden wuchs (vermutlich ist Baden-Baden genau dafür eine Abkürzung), sie bekam 1250 Stadtrechte und die Pfarrkirche wurde zur Stiftskirche. Gut hundert Jahre später war die Burg zu klein geworden, weil der Einfluß der badischen Markgrafen gestiegen war und man mehr Gästezimmer und Verhandlungsräume brauchte. Markgraf Bernhard I. von Baden (1372–1431) ließ daraufhin die gotische Unterburg bauen. Er starb leider vor ihrer Fertigstellung, doch sein Nachfolger Markgraf Jakob I. (1431–1453) konnte die Vollendung mit insgesamt über hundert Räumen erleben. Damit war die Burg Hohenbaden eine der größten Wohnburgen in Deutschland. ![]() Selbst die Teile der erhaltenen Außenmauern sind noch nach sechshundert Jahren eindrucksvoll. In der Mitte die Kaminanlage. Die Decken dieser drei Etagen wurden durch Holzbohlen getragen. Um 1442 war Baden ein Territorialstaat, fester Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (HRR) und seine Bedeutung innerhakb des HRR wuchs stetig. Auch die erweiterte Burg wurde allmählich zu klein, man wollte es komfortabler haben und so ließ Markgraf Christoph I. nach seinem Herrschaftsantritt 1475 auf dem Florentinerberg in der Nähe eine vorhandene Anlage im modernen Renaissancestil umbauen. Sein Onkel war der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Friedrich III., und Geld spielte daher keine Rolle. Es entstand das Neue Schloß und 1479 zog der Markgraf von der alten Burg in den Neubau um. ![]() Das neue Schloß steht seit Jahrzehnten leer und gammelt vor sich hin. nach oben Die Expansion der badischen Markgrafen hätte noch weiter expandieren könnne, wenn dem Herrscher/Herzog nicht die Thronfolger ausgegangen wären - Mädchen zählten ja nicht. Der letzte Badener Markgraf starb 1535 und die näheren Verwandten teilten Baden in die Linie Baden-Durlach und Baden-Baden auf. Der neue Herrscher Karl II. verordnete dem Land nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 die Reformation, man wurde evangelisch und ab 1565 war die Hauptstadt nicht mehr Pforzheim sondern Durlach und regiert wurde - wo sonst? - im Karlspalast. Die alte Burg diente als Witwensitz der überlebenden Markgräfinnen, doch 1599 brannte sie ab. Man wollte sie auch nicht mehr aufbauen und so ließ man sie stehen, wie sie war und sie verfiel allmählich. Erst nach 1830 erkannte man, daß auch Ruinen einen Wert haben können (z.B. der Drachenfels) und so wurde die Ruine erst gesichert und dann ein touristisches Ausflugsziel. Das ist bis heute so. 1689 wurde Baden-Baden Schauplatz einer Schlacht im pfälzisch-französischen Erbfolgekrieg, denn Truppen des französischen Königs Königs Ludwig XIV. setzten erst das Schloß und dann die Stadt in Brand. Der Markgraf überlebte, gab aber das Neue Schloss auf und baute lieber in Rastatt eine neue Residenz. Noch später wurde Karlsruhe Hauptstadt der Badener Markgrafen und ab 1715 wurde dort das Schloß gebaut. Link dorthin Das Herzogtum Baden-Durlach bestand bis 1771 aus einem Gebiet zwischen Pforzheim, Emmendingen und Lörrach. Ein paar Jahre später wurde der Herzog Kurfürst, 1806 wurden die Kurfürsten von Napoleon abgeschafft und der Badener Herzog wurde Großherzog (neben dem von Mecklenburg) und Baden trat 1815 dem Deutschen Bund bei. Bei der Kaiserproklamation 1871 spielte Baden eine wichtige politische Rolle. Das Neue Schloss wurde von 1843 - 1847 wieder aufgebaut und diente Großherzog Leopold als Sommerresidenz. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Baden eine konstituelle Monarchie, bis 1933 eine demokratische Republik und ab der NS-Zeit wurde Baden - wie so viele andere Gebiete auch - gleichgeschaltet. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Neue Schloß Privatvermögen der Famile von Baden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es drei Badens: Die französische Besatzung nannte den Breisgau „Baden“ und benannte Freiburg als Hauptstadt, die Amerikaner nannten den Nordteil Badens „Württemberg-Baden“ und setzten sich in Stuttgart fest (Kelley-Baracks). Der dritte Teil war Württemberg-Hohenzollern mit dem Stammschloß der Hohenzollern. Der 1952 erfolgte Zusammenschluß von Baden, Württemberg und Württemberg-Hohenzollern war da nur nur noch folgerichtig. 1946 wurde das Neue Schloß staatliches Museum. Die Familie von Baden versteigerte das Inventar 1995 bei Sotheby's, der Staat verkaufte das Gebäude 2003 an eine kuwaitische Familie, die ein Hotel daraus machen wollte und sich daran verhob. Seitdem steht es leer und verfällt, weil für eine -zig Millionen teure Restaurierung kein Geld da ist. ![]() Das Neue Schloß verfällt immer mehr nach oben Württemberg - Heiratspolitik der Württemberger Württemberg entstand ab dem 11. Jahrhundert im Gebiet um den Neckar, war Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation (HRR) und wurde 1495 Herzogtum mit den Residenzen Stuttgart und Ludwigsburg. Stuttgart war römisch besiedelt (Bad Cannstadt), später alemannisch (8. Jahrhundert), ungarisch (Lechfeld, 10. Jahrhundert) und gehörte bis zum 12. Jahrhundert dem Markgraf zu Baden, bis der Habsburger Rudolf I. 1286 die Stadt belagerte, eroberte und zerstörte. Erst nach 1315 wurde Stuttgart württembergisch, nachdem es drei Jahre lang von Esslingen verwaltet worden war. In Stuttgart ist das Alte Schloß noch erhalten, auch wenn es schon der vierte Bau seit dem 9. Jahrhundert ist, aber hier residierten die württembergischen Herzöge seit etwa 1550. ![]() Der Innenhof des alten Schlosses in Stuttgart (Foto: Susanne Coburger-Schlu, Februar 2016) Der letzte Herzog wurde 1754 als Prinz Friedrich Wilhelm Karl geboren, war ab 1797 der fünfzehnte Herzog von Württemberg, wurde im Mai 1803 Kurfürst und 1806 sogar König, als die Kurfürstentümer endgültig aufgelöst wurde. (Reichsdeputationshauptschluss). Als Kompensation für die linksrheinischen Besitzungen wurden Württemberg 1.500 qkm rechtsrheinische Gebiete zugeschlagen, außerdem wurden Württemberg, Baden und Bayern zu Königreichen erklärt. Das Königreich Württemberg wurde nun von König Friedrich I. regiert. Wie gut, daß es schon Schlösser in und um Stuttgart gab und man nicht extra neu bauen mußte. Man hatte ja in Ludwigsburg den Neubau fast fertig, das Alte Schloß funktionierte sowieso und im Neuen Schloß ging es nur noch um abschließende Arbeiten. ![]() Oben: Schloß Ludwigsburg, erbaut von 1704 bis 1816 Unten: Neues Schloß Stuttgart, erbaut von 1746 - 1807 ![]() nach oben Württembergische Heiratspolitik Friedrich I. war bei einem anderen Friedrich, dem Großen, in Diensten gewesen, hatte am Hofe des Preußen gewohnt und der verheiratete die Schwester des würtembergischen Friedrichs, Sophie Dorothea, mit dem Sohn der russischen Zarin Katharina der Großen - man verheiratete sich damals quer durch Europa um Einfluß zu gewinnen oder abzusichern. Sophie wechselte vom lutherischen zum russisch-orthodoxen Glauben, benannte sich um in Maria Fjodorowna, um ihre Verbundenheit mit dem Hof auszudrücken und wurde im Oktober 1776 die Frau des russischen Zaren, und damit russische Großfürstin. Ein Jahr später (1777) gebar sie pflichtgemäß den russischen Thronfolger Alexander. Man wohnte im Winterpalais in Sankt Petersburg und Sophie konnte sich kulturell austoben und aus Sankt Petersburg ein Kulturzentrum erste Güte machen. Zwanzig Jahre später wurde Sophies Mann Zar und sie damit die Zarin. Ihr Bruder, der württembergische Herzog, pflegte in dieser Zeit enge Kontakte zu Napoleon, was 1806 sicher maßgeblich dafür war, daß er zum König befördert wurde. Friedrich - jetzt König Friedrich I. - tat sich spontan mit dem ebenfalls neuen Bayernkönig Ludwig II. zusammen und zog gegen die widerspenstigen Tiroler zu Felde, die sich partout nicht von Bayern regieren lassen wollten und lieber unter Andreas Hofer kämpften. Die jüngste Schwester Elisabeth wurde mit dem österreichschen Erzherzog Franz verheiratet, starb jedoch bei der Geburt des ersten Kindes und hat mit der berühmten Sissi nichts zu tun. Man erkennt jedoch, wie weit die familiären und machtpolitischen Verbindungen um 1800 gingen. nach oben Andere Politik Nachdem der württembergische Kurfürst Friedrich I. am 1. Januar 1806 König geworden war, erhielt er weitere katholische Gebiete, so daß er am 15. Oktober des Jahres die Gleichheit aller Konfessionen verkündete. Aus dem Geheimen Rat wurde ein Staatsministerium und Württemberg trat dem Rheinbund bei, der unter dem Protektorat Napoleons stand und das HRR abgelöst hatte. Friedrich verbündete sich mit Napoeon und mußte dafür Soldaten stellen, die mit Napoleon gegen Österrfeich und Rußland kämpften. Nach dem Desaster des mißglückten Rußlandfeldzuges 1812 und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 war es mit der Allianz zu Frankreich aber vorbei, obwohl Friedrichs jüngste Tochter Katharina mit Napoleons Bruder Jeróme verheiratet war. Napoleon wurde 1814 zur Abdankung gezwungen. Im Wiener Kongreß 1814/1815 wurde die Mitgliedschaft Württembergs im Rheinbund bestätigt. Nun war der Rheinbund keine übergeordnete Regierung und so wurde in der Deutschen Revolution 1848/1849 vorübergehend eine Nationalregierung eingesetzt, der der preußische König Friedrich Wilhelm IV. vorstand. Nachdem die Märzrevolution von 1848 gescheitert war, hatte der preußische König an Macht gewonnen und die Länder des ehemaligen Rheinbunds hatten nicht mehr viel zu sagen. Als 1871 der Deutsche Kaiser Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles proklamiert wurde, schwand der Einfluß der Länder ein weiteres Mal. Eine preußische Enklave um Sigmaringen wurde Württemberg-Hohenzollern getauft, weil dort das Stammschloß der Hohenzollern steht. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Württemberg eine konstituelle Monarchie, bis 1933 eine demokratische Republik und ab der NS-Zeit wurde Württemberg - wie so viele andere Gebiete auch - gleichgeschaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Badener Gebiete und die beiden Württembergs vereint: Die französische Besatzung brachte den Breisgau „Baden“ ein (Freiburg war die Hauptstadt gewesen), die Amerikaner brachten den Nordteil Badens „Württemberg-Baden“ ein (mit den Kelley-Baracks und Stuttgart als Hauptstadt) und mit der Auflösung Preußens erlosch auch die Enklave Württemberg-Hohenzollern. Der 1952 erfolgte Zusammenschluß dieser Gebiete war da nur nur noch folgerichtig. nach oben |
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