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Südtirol / Alto Adige - Brixen / Bressanone
Text und Fotos: © Martin Schlu September 2024 , Stand: 09.Januar 2026

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Altstadt - Dom - Oswald von Wolkenstein

Auch Brixen ist eine uralte Stadt, die am Zusammenfluß von Eisack und Rienz entstand und im ersten Jahrhundert v. Chr. von den Römern besetzt wurde, nachdem diese Gegend schon in prähistorischer Zeit besiedelt worden war. Der Handelsweg zwischen dem Norden und dem Süden durch die Alpen war schon seit Urzeiten bekannt und an solchen Fernstraßen entstanden immer Städte wie heute Rasthöfe an den Autobahnen. Ab dem 9. Jahrhundert im frühen Mittelalter war Brixen Sitz der Fürstbischöfe. Hier wurden der Gegenpapst Clemens III.
gewählt, Nikolaus von Kuen (genannt („Cusanus“) war hier und scheiterte als Fürstbischof am Adel - sonst wäre er vielleicht noch Papst geworden. Die Fürstbischöfe waren absolute Herrscher, regelrechte Könige in ihrem Reich, nur der Region und dem Papst gegenüber verantwortlich. Kaiser und Kurfürsten hatten ihnen nichts zu sagen.

Dies dauerte bis zu Napoleon, als die geistlichen Sitze aufgelöst wurden (Säkularisation ab 1803). Da fiel Brixen an Österreich, drei Jahre später (1806) wurde es bayrisch, nach dem Wiener Kongreß ab 1814 wurde es wieder Österreich zugeschlagen und hundert Jahre später, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde es italienisch und das ist es bis heute. Wenn man durch das Sonnentor die Altstadt betritt, hört man Deutsch und Italienisch gleich oft, Französisch ebenfalls, Englisch eher selten. Die Stadt war immer international und das ist sie auch heute. Dreiviertel der Einwohner bezeichnen sich als Deutsche, ein Viertel als Italiener - den italienischen Paß haben alle.


Durch das mittelalterliche Sonnentor betritt man die Altstadt mit dem Dom
Durch das mittelalterliche Sonnentor betritt man die Altstadt mit dem Dom


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Die Altstadt
Die Brixener Altstadt ist größtenteils erhalten, die Enge innerhalb der Tore und Stadtmauern aber auch. Zwischen
1174 und 1445 brannte die Stadt dreimal ab, wurde in den Bauernkriegen und französischen Belagerungen beschädigt, doch sie wurde immer wieder aufgebaut, weil die Lage an der Handelsstraße zu profitabel war. Kleine Häuser stehen dicht an dicht gedrängt und alle haben im Erdgeschoß entweder einen Laden oder eine Einkehrmöglichkeit.

Die Adlerbrücke von der Eisack aus (Flumen Isarco)
Die Adlerbrücke von der Eisack aus (Flumen Isarco)

Vom Sonnentor zur Adlerbrücke ist es weniger als ein Kilometer, doch weil die Altstadt auch im Herbst gut besucht ist, braucht man Zeit. Es gibt viel zu sehen, viel zu sitzen und langweilig ist es nie.

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Der Dom
Den Dom kann man vn der Altstadt aus nicht gut fotografieren - man ist immer zu nahe.
Der Brixener Dom hat eine Jahrhunderte alte Geschichte, von der man außen den größten Teil nicht sieht. Der erste Bau wurde um 600 gebaut.

Funktional wurde der Dom 901 zum Bischofsitz, nachdem der damalige, sechsjährige König Ludwig (das Kind) den Sitz vom Bergkloster Säben nach Brixen verlegt hatte - vermutlich waren eher seine Berater daran schuld). Säben blieb Kloster, Brixen wurde zum Machtzentrum der Kirche zwischen Bayern und Rom. Ludwig wurde nicht alt - mit siebzehn starb der letzte Karolinger auf einem deutschen Thron und die Macht ging über an Konrad I. , der den Aufstieg des Reichs begründete. Die Quellenlage des 9. und 10. Jahrunderts ist dünn, daher weiß man über diesen Abschnitt der Geschichte nicht so viel.

Die Doppeltürme wurden um 1250 gebaut, als der Dom zur Bischofskirche geworden war (parallel zum Baubeginn des gotischen Kölner Doms). Kurz danach brannte die Anlage aber ab, wurde neu aufgebaut und 1273 wieder geweiht.

Unter Nikolaus von Kues (Nikolaus Cusanus) wurde die Kloster- und Kirchenanlage weiter gotisch ausgebaut und erheblich erweitert. Ab 1610 wurde die Kirche barockisiert und erhielt bis 1754 die jetzige äußere Form.


Den Dom kann man von der Altstadt aus nicht gut fotografieren - man ist immer zu nahe.


Von innen erscheint der Dom recht hell, doch von der originalen mittelalterlichen Ausstattung ist nichts mehr da - fast alles ist alpenländischer katholische Barock. Die meisten Altäre und Einrichtungsgegenstände stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Der Dom von innen
Der Dom von innen



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Der Alte Friedhof hat einen Kreuzgang, an dem etliche Grabplatten von reichen Stiftern und wichtigen Bischöfen angebracht sind. Hier finder man auch die Grabplatte Oswald von Wolkensteins, einem der wichtigsten Dichter und Musiker des 14. Jahrhunderts.

Grabplatte Oswald von Wolkensteins
Grabplatte Oswald von Wolkensteins am Alten Friedhof neben dem Dom.

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Café
Grillage KG, Große Lauben 28, I-39042 Brixen (BZ), gut und günstig.