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Lindau im Bodensee
Text und Fotos: Martin Schlu
Stand: 23. August 2026
      
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Anreise - Cavazzen - Maximilianstraße - Rathaus - Kunstforum Hundertwasser - Hafen -

Lindau war bereits am Ende des Mittelalters ziemlich reich, weil die Stadt einerseits an der Nord-Süd-Route nach Italien lag, andererseits an der Ostg-West Route nach Salzburg.  Sowohl im Fernhandel als auch im Salzhandel wurde sehr gut verdient und die Stadt wuchs und ihr Vermögen auch Die Insellage im Bodensee war ein wichtiger Sicherheitsaspekt, man konnte die Stadt nachts regelrecht abschließen und auch heute noch gibt es nur zwei Zugänge zum Land, der eine, im Nordwesten,  über die Seebrücke für Fußgänger und Radfahrer, der andere, im Nordosten, für die Bahn und alle anderen.

Das erste Mal in Lindau waren wir 2010 mit zwei Töchtern von Meersburg aus. Um den See gab es auch damals nur diese eine Straße über Friedrichshafen (B 33 und andere Nummern) und die Anreise dauerte damals fast zwei Stunden, weil wir in jedem Dorf im Stau standen. Vor der Insel gab es ein wüstes Feld, wo man umsonst parken durfte und von dort war es noch ca. ein Kilometer in die eigentliche Inselstadt. Bei der Rückkehr am späten Nachmittag war das Auto gut aufgeheizt und die Rückfahrt war nicht besonders prickelnd, obwohl wir schon eine Klimaanlage hatten.

Im Juli 2020 war ich wieder mit meiner Frau in Lindau, weil wir im Kunstmuseum Lindau (der alten Post) die Ausstellung Paula
(Modersohn-Becker) und Otto (Modersohn) ansehen wollten und uns hatte die Stadt sehr gut gefallen. Das letzte Mal waren wir mit unseren Enkelinnen 2024 hier, wohnten in Bregenz und von da aus ist man in einer guten Viertelstunde hier, wenn man mit dem Auto kommt.  Wenn es keinen Stau gibt und man früh genug ankommt, findet man hinter der Inselbrücke im Nordosten rechts das Parkhaus.

Lindau ist eine  - fast autofreie Insel, also stellt man sein  Gefährt für € 2,00/Std. im Parkhaus ab
Lindau ist eine  - fast autofreie Insel, also stellt man sein  Gefährt im Parkhaus ab

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Anreise
Lindau ist eine  - fast autofreie Insel, also stellt man sein  Gefährt für € 2,00/Std. im Parkhaus hinter dem Parktheater an der Zwanzigerstraße ab und läuft. Wenn man in der Hochsaison (Juli/August) aber erst um 12:00 Uhr aufschlägt, ist das Parkhaus schon voll und dann fährt man am besten wieder zurück, parkt das Auto in der Nähe des Bahnhofs Lindau-Reutin und nimmt  den Zug zum Inselbahnhof. Dort  kommt man am anderen Ende der Insel an (Nordwesten).

Die zweite Alternative ist der Besuch an
einem anderen Tag zwei Stunden früher.

Der Inselbahnhof - zu den Schiffen sind es ein paar Minuten, in die Altstadt auch
Der Inselbahnhof - zu den Schiffen sind es ein paar Minuten nach links, in die Altstadt auch


Der Normaltourist kommt aber mit dem Auto, geht zu Fuß über die Inselbrücke und das Erste, was er beim Passieren der alten Stadtmauer von der Altstadt sieht, ist die Schmiedgasse, ein Viertel, bei dem man nicht weiß, ob die mittelalterlichen/barocken Häuser „modernisiert“ wurden, ober ob es Nachbauten im alten Stil sind - Neobarock oder sowas. Ob man nun rechts geht oder links, ist egal - rechts (Schmiedgasse) gelangt man zum Markt mit der Stephanskirche, links (Fleischergasse) hat man die kürzere Verbindung zum Hafen.

Die Altstadt beginnt in der Schmiedgasse
Die Altstadt beginnt in der Schmiedgasse

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Cavazzen
Nach einigen Touri-Läden kommt man zur St. Stephanus-Kirche (die ist evangelisch), passiert den Neptunbrunnen und dort, am Markt, steht  das - angeblich - schönste Barock-Haus am Bodensee, der Cavazzen.  Zur Cavazzen-Homepage


Der Cavazzen steht auf mittelalterlichen Mauern und wurde im Barock neu gebaut.
Der Cavazzen steht auf mittelalterlichen Mauern und wurde im Barock neu gebaut.


Dieses Haus stand schon im Mittelalter, gehörte einer reichen Kaufmannsfamilie und wurde bei großen Stadtbrand 1728 so schwer beschädigt, daß es unbenutzbar wurde. Eine andere Kaufmannsfamile (Seutter von Loretzen) kaufte es und ließ es ab 1729 im Prinzip neu aufbauen. Zweihundert Jahre später stiftete der damalige Besitzer das Haus der Stadt mit der Auflage, dort ein Museum einzurichten. Das ist bis heute so.

Die letzte grundlegende Sanierung ist gerade abgeschlossen und in den letzten Jahren konnte man das Haus nicht besichtigen. Man hat in dieser Sanierung aber Erhebliches geleistet und das Haus ist jetzt wohl in einem besseren Zustand als früher. Im Erdgeschoß und im ersten Stock gibt es eine ständige Ausstellung des Lindauer Heimatmuseums vom Mittelalter bis
zum 19. Jahrhundert und im zweiten Stock ist reichlich Platz für Sonderausstellungen. Die Räume des Heimatmuseums umfassen eine Reihe toller Exponante und beschreiben die Entwicklung der Stadt bis in die Gegenwart. Es gibt ein paar Highlights: Der Dachboden mit den alten Balken (und neuen Stützlösungen) bietet einen schönen Blick auf Markt und Kirche,

Ausblick vom Dachstuhl des Cavazzen auf den Marktplatz
Ausblick vom Dachstuhl des Cavazzen auf den Marktplatz, vorne der Neptun-Brunnen, dahiner St. Stephan.

der Film über die Stadtgeschichte ist grandios (auch in englisch) und im Heimatmuseum hängen im Barock gemalte genaueste Darstellungen der Stadt in einer unglaublichen Akribie.


Die gegenwärtige Picasso-Ausstellung (Picasso Handmade) fand ich allerdings nicht so doll, weil unter den Werken, tief unten, eine Nummer stand, die man nachschlagen mußte, um den Titel herauszubekommen. Ich bin aber eher ein Fan von lesbaren Beschriftungen und Platz dafür hätte es genug gegeben. Der Audioguide ist auch nicht mein Ding, weil ich schneller lesen kann als die meisten brauchen, um einen klaren Satz zu sprechen. Hier hätte ich eine altmodische Präsentation besser gefunden. C'est la vie!

Grandios sind die Werke Picassos, bei denen er nur eine Linie zieht und man sofort erkennt, was es ist. Hier standen Keramikvasen, in deren Terracotta-Überzug Picasso die Silhouette einer Frau geritzt hat - eine Linie und alles ist perfekt. Kleinzeug von Picasso gab
es auch, ein Dackel und eine Eule in einem Zug gezeichnet. Die wurden als Magnete gekauft. Vermißt habe ich nur Picassos Stier ( Fahrradsattel als Kopf, umgedrehter Lenker als Hörner) - besser kann man Sehen nicht erklären.

Der Cavazzen ist nicht nur ein Heimatmuseum Lindaus, sondern zeigt im Erdgeschoß eine bißchen italienisches Restaurant-Flair.
Der Cavazzen ist nicht nur ein Heimatmuseum Lindaus, sondern zeigt im Erdgeschoß ein bißchen italienisches Restaurant-Flair.

Nach zwei Ausstellungen brauchten wir eine Pause und gingen im Erdgeschoß in das Café im italienischen Stil. Es gibt kleine Gerichte, es war ruhig und als es wärmer wurde, zog sich ein Sonnensegel über den Innenhof, der Wind blies lau und man spürte die 34° Grad draußen nicht mehr so.

Haus zum Cavazzen, Marktplatz 5, 88131 Lindau, Telefon: +49 8382 918810, Eintritt: € 18,00,   E-Mail: museum@lindau.de


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Maximilianstraße
Wenn man den Cavazzen links liegen läßt und die Cramergasse entlang geht, macht die Straße einen  Knick und man ist in der touristische Freßmeile, der Maximilianstraße. Je nach Sonnenstand sucht man sich dort einen Platz im Schatten und wo man sich hinsetzt, ist eigentlich egal. Wir haben in den Cafés keinen Unterschied gemerkt und überall gab es diese alten Häuser irgendwo zwischen Renaissance und Barock. Nur die „Nordsee“ fiel ein bißchen aus dem Rahmen, aber sie bieten „Bodensee-Felchen“ an. Ich vermute allerdings, daß diese Fische nicht den Bodensee gesehen haben, sondern eher eine Fischzucht außerhalb der Stadt. So viele Felchen, wie hier angeboten werden, können nicht alle aus dem See kommen. Das ist wahrscheinlich so wie bei den Nordatlantik-Lachsen aus dem Käfig..

Die Maximilianstraße in Liindau ist das Herzstück der Fußgängerzone - ein Café steht neben dem anderen.
Die Maximilianstraße in Liindau ist das Herzstück der Fußgängerzone - ein Café steht neben dem anderen.

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Rathaus
Das Rathaus ist der absolute Hingucker und wahrscheinlich das meistfotografierte Haus hier. Es wurde ab 1422 gebaut und zeigte einfach die Finanzmacht der Stadt. Kaiser Maximilian I. nutzte diesen Bau und berief 1496 einen Reichstag nach Lindau in den Ratssaal. Der beschloß zwar nicht Wichtiges, aber Lindau konnte seine Macht zeigen.

Achtzig Jahre später (1576) wurde der Renaissance-Treppengiebel gebaut, ab 1617 gab es neue Glocken und im 19. Jahrhundert kamen die Malereien auf das Rathaus. Sie sind nicht wirklich historisch alt, sondern im Stil der bayrischen Lüftelmalerei und zeigen Details der Lindauer Geschichte. Von der Maximilianstraße aus ist das Rathaus bis zum Nachmittag nicht gut zu fotografieren (Gegenlicht), die Rückseite leuchtet dafür regelrecht. Wer nch mehr klassische Lüftelmalerei sehen will, muß nach Oberammergau oder nach Mittenwald. Wer die Rückseite sehen will, klickt hier.


Zwischen Maximilianstraße und Reichplatz steht das Rathaus
Zwischen Maximilianstraße und Reichplatz steht das Rathaus

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Kunstforum Hundertwasser
Das Kunstforum am Inselbahnhof war früher die Post - nicht zu verwechseln mit der Alten Post, die ganz woanders liegt und längst ein Hotel ist. Nachdem die Post dort ausgezogen war, wurde es zum Kunstmuseum Lindau und in viele n Räumen konnte man Objekte zeigen. 2020 sahen wir hier die Ausstellung Paula und Otto (Ehepaar Modersohn-Becker), 2024 gab es Christo und Jean-Claude. Seit 2025 heißt das Gebäude „Hunderwasser-Forum“ und
thematisiert bis Januar 2029 die Werke Friedensreich Hunderwassers.

Ich kenne das Gebäude noch als Post - das ist aber schon ein paar Jahre her.
Ich kenne das Gebäude noch als Post - das ist aber schon ein paar Jahre her.


Wer nichts über Hundertwasser weiß, wird hier sehr viel erfahren. Wer ihn schon kennt, für den ist die Ausstellung eine Offenbarung, weil ausgiebig über seine Drucktechnik informiert wird und ganz unterschiedliche Objekte zu sehen sind. Er mag ein recht verschwurbelter Zeitgenosse gewesen sein, aber sein Werke sind unfaßbar schön. Für kleines Geld kann man Postkarten und Drucke kaufen, für größeres Geld geht man am besten zum Galeristen und wer unbedingt ein Hundertwasser-Haus sehen will, muß nach Darmstadt oder nach Wien. Wie bei den Drucken  gibt es keine gerade Linie und bei den Häusern sind keine zwei Fenster gleich.

Hundertwasser-Haus in Darmstadt
Hundertwasser-Haus in Wien
Hundertwasser-Haus in Darmstadt (Sommer)
Hundertwasser-Haus in Wien (Winter)


Kunstforum Hunderwasser, Maximilianstraße 52, 88131 Lindau (Bodensee), Tel. +49 8382 27 47 47 850


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Hafen
Der Lindauer Hafen ist seit dem Mittelalter das wichtigste Ziel der Stadt, doch heute werden hier weniger Waren verladen als Touristen. Die LKWs sind über die Bahntrasse einfach schneller und ein Ladeverkehr würde den Hafenbetrieb an der Touristenmeile nur stören.

Von den meisten Bodensee-Orten aus gibt es Schiffsverbindungen hierhin und ob man vom deutschen Meeresburg oder Konstanz mit dem Schiff oder dem Auto hierhin kommt, ist zeitlich gleich, denn die Straße um den Bodensee braucht fast mehr Zeit als das Schiff, das den kürzsten weg nehmen kann. Es gibt nach Bregenz ebenfalls eine Verbindung, aber die ist eher etwas für Kurztouristen oder die, die die dortigen Festspiele von Lindau aus besuchen wollen, denn nach der Vorstellung gibt es direkt eine letzte Verbindung hierhin und wenn man in Lindau übernachtet, ist dies billiger als die meisten Hotels in Bregenz.


Vom Rathaus kommend erschließt sich der Hafen hinter dem  Lindauer Hof und man ist schnell bei den kommerziellen Touristenattraktionen wie den Buden für die Teenager, die Ringe, Anhänger und anderen billigen Silberschmuck verkaufen. Am besten gibt man seinen Blagen einen Schein und verzieht sich eines der vielen Cafés - bis die Kinder sich entschieden haben, hat man seine Ruhe.

Der (alte) weiße Mann spielte schon 2020 Denkmal und beweist seitdem täglich seine Standfestigkeit. Wenn man will, daß er sich bewegt, reicht ein kleiner Geldschein, den man ihm in die Hand drückt - das Weiße färbt nicht ab.

Das Denkmal ist nicht aus Stein, sondern aus Fleisch und Blut - mindestens seit 2020
Das Denkmal ist nicht aus Stein, sondern aus Fleisch und Blut - mindestens seit 2020

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Der Mangturm ist eines der Überbleibsel der um 1200 erbauten Stadtmauer, doch er ist nicht der älteste Turm am See. Er diente bis 1858 als Leuchtturm für die Schiffe, war gleichzeitig eine Verteidigungsbastion für das damals neben ihm iegende Stadttor und diente auch als Unterkunft für die Wachmannschaft. Heute erfüllt er seinen Hauptzweck als Fotomotiv, soll aber wieder mit Leben und Betrieb gefüllt werden. Es gibt einen Förderverein, der sich dafür einsetzt.

Link dazu.

Der Mangturm steht direkt am Hafen
Der Mangturm steht direkt am Hafen

Für dieses Foto muß man an der Hafenmole weitergehen, bist man zum aktuellen Leuchtturm kommt. Den könnte man besteigen wenn man will und € 5,00 bezahlt, doch es sollte mindestens klare Sicht bis Bregenz herrschen, sonst ist es rausgeschmissenes Geld. Wer die Bodensee-Card hat, eine Gästekarte, kommt auch umsonst hinauf.

Der Hafen in Lindau hat den markanten Einfahrtsturm, den man auch schon von Bregenz aus sieht
Der Hafen in Lindau hat den markanten Einfahrtsturm, den man auch schon von Bregenz aus sieht. Der Löwe beißt seit 1806.

Der aktuelle Leuchtturm ist mit 35 Metern Höhe eher etwas Kleineres, aber der Bodensee ist wettermäßig eher überschaubar, wenn man iih mit der Nordsee vergleicht. Trotzdem kann er gefährlich werden und wir haben schon Stürme und stürmische Überfahrten erlebt, bei denen am Ufer orange Lichter aufblinkten und dazu aufforderten, den nächsten Hafen anzulaufen.

Den bayrische Löwen sieht man nur, wenn man mit dem Schiff ankommt. 1806 ging die Freie Reichsstadt Lindau im neu geschaffenen Königreich Bayern auf und der erste bayrische König, Maximilian I. von Bayern, ließ sofort das Symbol des Reiches vor die Hafeneinfahrt setzen, damit Württemberger, Österreicher und Schweizer merkten, wer hier das Sagen hat - dabei ist der bayrische Anteil am Seeufer mit 18 km geringer als der österreichische Anteil (28 km), der Anteil der Schweiz (72 km) und dem Löwenanteil der Baden-Württember (115 km). Die haben zwar drei Löwen im Wappen, aber  keinen einzigen vor einer württembergischen Bodensee-Stadt.

Übrigens konnte Maximilian die Österreicher nur bedingt im Zaum halten und mußte sich ab 1809 mit Andreas Hofer herumärgern.


Eine gute Gelegenheit zum Mittagessen war das Hotel Lindauer Hof. Wir saßen im kühlen Schatten, wurden nett bedient und zahlten bei zwei Personen für Hauptgericht (2 x Fisch mit Beilage), Nachtisch und Wasser € 80,00. Doppelt so teuer wie eine Pizzeria, aber dreimal besser.

Lindauer Hof, Dammgasse 2, 88131 Lindau, Telefon: +49 8382 4064

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