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Der Spreewald
Texte und Fotos: Martin Schu ab 2007, Stand: 26. August 2026

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Lübben ist das Eingangstor zum Spreewald - von der Strecke Potsdam-Cottbus etwa zwei Drittel von Potsdam entfernt und bereits Bestandteil der Lausitz. Aus diesem Grund sind wichtige Beschriftungen bereits in deutsch und sorbisch und alles dreht sich hier um drei Dinge: Die Gurke ist das eine, Paul Gerhardt ist der andere, der Spreewald ist das dritte.

Der Spreewald ab Lübben ist schon seit Jahrhunderten Anbau- und Verkaufsfläche der Spreewaldgurken, mittleren, etwa zeigefingerdicken Gurken, die nach diversen Geheimrezepten eingelegt wurden und von denen die ganze Gegend lebt. Wenn man durch die Stadt geht, sieht man das, wenn man am Kahnhafen entlang geht, kann man es nicht übersehen oder überriechen und wenn man sich abends einer Nachtwächterführung anschließt (ab 21:00 Uhr trifft man sich am Rathaus) kommt der Ort und Zeitpunkt, an denen der Nachtwächter auf einmal ein Gurkenglas in der Hand hat und probieren läßt. Der Zaubertrick ist ganz einfach, rein zufällig führt die Route am Wohnhaus des Sohns des Lübbener Gurkenkönig vorbei, der an einer vorbereiteten Stelle ein Glas deponiert hat, das sich der Nachtwächter abholt und dabei ein bißchen Reklame macht. Wir haben es nur herausbekommen, weil die Familie auch unsere Ferienwohnung vermietet und wir uns irgendwann gewundert haben, warum der Nachtwächter um 22.00 Uhr immer unter unserem Balkon Gurken verschenkte. Wer dies nachvollziehen will, mag gerne diese Ferienwohnung mieten und kann das Phänomen miterleben. Vorher sollte man aber die Führung mitgemacht haben und die Gurken sind wirklich sehr gut. Übrigens haben wir uns einen Karton Spreewaldgurken mitgenommen und selbst der örtliche Lidl hatte sie im Angebot.

Der Lübbener Marktplatz mit der Paul-Gerhardt-Kirche
Der Lübbener Marktplatz mit der Paul-Gerhardt-Kirche


Das zweite Standbein ist Paul Gerhardt, der nun (2026) seinen 250 Todestag hatte. Protestanten kennen den Mann als Pfarrer und Kirchenlieddichter und seine letzten sieben Lebensjahre verbrachte er an der Lübbener Gemeinde. Da gab es die Gurken schon.

Erst nach seinem Tod ging der Gemeinde auf, wen sie da als Pfarrer gehabt hatten und so ist die Kirche ein Paul-Gerhardt-Musum geworden und hat eine Dauerausstellung über ihn konzipiert. Da ich selbst aus dem Posaunenchor komme und Kirchenmusiker war, bin ich natürlich mit Paul Gerhardt und seinen Liedern groß geworden, aber wer damit nicht viel anfangen kann, möge diese Ausstellung besuchen und auch ein bißchen  Geld für die Gemeinde dalassen. Sie brauchen es.

Wenn man schon mal hier ist, sollte man unbedingt auch einen halben oder ganzen Tag auf dem Wasser verbringen und sich mit einem Kahn durch den Spreewald fahren lassen. Da kommt man z.b. auch am Spreeschwimmbad auf der Schloßinsel vorbei, was für Kinder ein Traum ist. Fahren Sie mit zehnjährigen Kindern oder Enkeln hin und Sie merken, warum.

Ein Schwimmbad in der Spree - in Lübben gibt es das

Ein Schwimmbad in der Spree - in Lübben gibt es das

Links zu Lübben:
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbben_(Spreewald)
http://www.luebben.de/de/Tourismus-und-Freizeit/Sehenswert/Fuehrungen/Nachtwaechter-Rundgang-in-Luebben#

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Der Spreewald
Manche Stellen im Spreewald lassen sich nur mit dem Boot oder Kahn erleben
Manche Stellen im Spreewald lassen sich nur mit dem Boot oder Kahn erleben

Der Spreewald ist natürlich eine absolute Besonderheit, weil es durch die Hunderte von Spreearmen einerseits eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft ist und weil er das einzige Gebiet Deutschlands mit zwei Amtssprachen ist. Die Sorben, ein slawischer Stamm, der hier ab dem 6. Jahrhundert siedelte, bewohnen die Ober- und Niederlausitz und der Spreewald ist sozusagen das Bindeglied zwischen sorbischer und deutscher Tradition. Näher an Polen (Oberlausitz) hat das Sorbische einen eher polnischen Einschlag, näher zu Tschechien (Niederlausitz) eher eine böhmischen Sprachfärbung. Für einen Standarddeutschen ist es absolut unverständlich, aber es gibt im Spreewald bis nach Cottbus etwa noch ca. 20.000 aktive Sprecher des Sorbischen und am Sorbischen Gymnasium in Bautzen und Cottbus ist es Unterrichtssprache und man kann dort sein Abitur in Sorbisch ablegen. Einer der wichtigsten Erzählungen des Sorbischen  ist die Geschichte des „Krabat“ und der Schriftsteller Otfried Preußler hat sorbisch/wendische (böhmische) Wurzeln und hat viele seiner Geschichten aus dem sorbischen Sagenschatz entlehnt.

Um einen kleinen Eindruck des Spreewaldes zu bekommen ist eine Kahnfahrt unerläßlich, wie es schon Theodor Fontane wußte. Wer mehr auf Remmidemmi steht, startet in Lübbenau, wo am Hafen ein Kahn nach dem anderen mit Touristen vollgestopft wird und im Minutentakt ablegt. Wer es stiller haben möchte, startet in Lübben am Kahnhafen und findet teilweise wirklich Stille (siehe Foto oben). Wer es noch stiller haben möchte, kommt um zehn Uhr morgens zum Lübbener Hafen und schaut, ob sich zehn Gleichgesinnte für eine Tagesfahrt nach Schlepzig finden und manchmal gibt es auch stimmungsvolle Abendfahrten.
Es ist Sonntag, die Arbeit ruht, und die große Fahrstraße zeigt sich verhältnismäßig leer; nur selten treibt ein mit frischem Heu beladener Kahn an uns vorüber, und Bursche handhaben das Ruder mit großem Geschick. Sie sitzen weder auf der Ruderbank, noch schlagen sie taktmäßig das Wasser, vielmehr stehen sie grad aufrecht am Hinterteile des Boots, das sie nach Art der Gondoliere vorwärts bewegen. Dies Aufrechtstehen, und mit ihm zugleich ein beständiges Anspannen all ihrer Kräfte, hat dem ganzen Volksstamm eine Haltung und Straffheit gegeben, die man bei der Mehrzahl unserer sonstigen Dorfbewohner vermißt. Und zwar in den armen Gegenden am meisten. Der Knecht, der vornüber im Sattel hängt oder, auf dem Strohsack seines Wagens sitzend, mit einem schläfrigen »Hoi« das Gespann antreibt, kommt kaum je dazu, seine Brust und Schulterblätter zurechtzurücken oder sein halb krummgebogenes Rückgrat wieder geradezubiegen, der Spreewäldler aber, dem weder Pferd noch Wagen ein Sitzen und Ausruhen gönnt, befindet sich eigentlich immer auf dem Quivive. Das Ruder in der Hand, steht er wie auf Posten und kennt nicht Hindämmern und Halbarbeit.
Theodor Fontane: In den Spreewald aus: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Kap. 2 °Lehde“
zit. nach http://brandenburg.xbib.de/4.+Spreeland__2.+Lehde.html am 28. Juli 2016


Lehde, ein Dorf im Spreewald, das die meisten Einwohner wirklich nur mit dem Boot erreichen können.
oben: Lehde, ein Dorf im Spreewald, das die meisten Einwohner wirklich nur mit dem Boot erreichen können.

unten: In Lehde gibt es kleines, aber sehr feines Freilichtmuseum, in dem ich eine hervorrragende Führung erlebt habe.

In Lehde gibt es kleines, aber sehr feines Freilichtmuseum, in dem ich eine hervorrragende Führung erlebt habe.

Das Freilichtmuseum wird von einem Verein mit sehr engagierten Mitgliedern betrieben und während der Führung (die übrigens eine Dame in sorbischer Alltagstracht vornahm) hatte man immer das Gefühl, daß die Zeit stehengeblieben war. Es hätte micht nicht gewundert, wenn man zu Tisch gebeten und bewirtet worden wäre (was ich in einem kleinen dänischen Freilichtmuseum vor etlichen Jahren durchaus erlebt habe). Das Freilichtmuseum Lehde sei Besuchern aufs Wärmste empfohlen, aber man sollte ins Navi  nicht die auf der Webseite angegebene Adresse eintippen, sonst wird man furchtbar in die Irre geführt, sondern am besten nur „Lehde“ und „Dorfstraße“. Am Ende der Straße ist dann ein Parkplatz und ab da sind es etwa 200 m zu Fuß.

Man hatte uns bezüglich des Spreewaldes übrigens vor einer regelrechten Mückenplage gewarnt, der verregnete Juni und Juli hatten die Ängste geschürt und deswegen hatten wir entsprechend Mückenzeug dabei - aber wir haben es nicht gebraucht. Ich habe in der Fewo eine einzige Mücke gesehen (!) und die Mücke, die mich innerhalb einer Woche erwischt hatte, tat dies im Wald des Branitzer Schlosses bei Cottbus. Soviel zur Angst.

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Alte Hauptstadt der Lausitz: Luckau / Łukow
Man sieht es nicht sofort, aber Luckau hat eine große Geschichte hinter sich. Erstmalig 1276 erwähnt stieg die Stadt durch ihre Lage an den Handelsachsen Frankfurt/Oder - Leipzig und der Salzstraße Glogau - Magedeburg wirtschaftlich auf, wurde auch als Wallfahrtskirche reich (denn Kaiser Karl IV. schenkte der Stadt 1373 den Kopf des hl. Paulinus) und als 1490 der König von Böhmen vom ungarischen König Mathias die Lausitz erbte, machte er Luckau 1492 zur Hauptstadt des Markgraftum Niederlausitz.

In den Napoleonischen Kriegen 1813/13 (Freiheitskriege)  besiegt das preußische Heer unter Bülow die französischen Truppen und stoppte damit Napoleons Vormarsch auf Berlin. Dabei brannte die Calauer Vorstadt ab und der Rote Turm und die Stadtmauer wurden beschädigt. Nach dem Wiener Kongreß wurde Luckau den Preußen zugeschlagen, das Markgraftum wurde aufgelöst und die Stadt kam nach Brandenburg. Der Dornröschenschlaf, den die Stadt nach der Verlagerung des politischen Zentrums erlebte, dauerte bis nach der Wende 1989, denn durch den fehlenden Eisenbahnanschluß des 19. Jahrhunderts blieb die Industrialisierung hier größtenteils aus und ein größerer Teil der Häuser daher fast original erhalten.

Seit der Landesgartenschau 2000 erfolgt ein stetiger Ausbau der Infrastruktur als Tourismusziel, dem Ort geht es wieder besser und die Windkraftanlagen spielen Geld in die Kasse. Als Besucher kann man länger durch den Ort bummeln, es gibt genug Läden und Cafés und für die Kirche St. Nikolai veranschlage man getrost eine Stunde.

Das Innere von St. Nikolai
Das Innere von St. Nikolai
1644 kam es zu einem schweren Stadtbrand, bei dem die Hauptkirche St. Nikolai schwer beschädigt  wurde und die mittelalterliche Einrichtung verlorenging. Der Aufbau dauerte bis 1770 und die Kirche gewann durch Ihre neue Einrichtung den jetzigen Zustand (Altaraufsatz 1670, vergoldetete Kanzel 1666,  Donat-Orgel von 1672/73). Die Orgel wurde ein paarmal radikal umgebaut, vor ca. 50 Jahren durch die Berliner Firma Schuke in eine stilistisch passende Neobarock-Orgel umgewandelt und liegt damit wieder klanglich näher am Original.

Besonderheiten sind in dieser Kirche die Logen unterhalb der Sängerempore und an den Seitenschiffen und die unglaublich reichhaltige Ausstattung, durch die die Gemeinde erhebliche Leistungen erbriungen muß um dies alles zu erhalten. Zur Zeit werden für das Lutherjahr 1517 die Gemälde im Altarumgang restauriert.

Links zu Luckau
http://www.luckau.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Luckau
http://www.kirche-luckau.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Nikolai-Kirche_(Luckau)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Luckau
http://www.luckau.de/de/tourismus/sehenswertes/artikel-roter-turm.html
http://www.niederlausitzmuseum-luckau.de/

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Zweitgrößte Stadt Brandenburgs: Cottbus
Der Altmarkt in Cottbus
oben: Der Altmarkt in Cottbus - alles ist hier zweisprachig: deutsch und sorbisch

Cottbus ist nach Potsdam die zweitgrößte Stadt Brandenburgs und das merkt man. Potsdam und Cottbus haben eine schöne Altstadt, aber auch moderne Einkaufspassagen und die Städte sind voll, weil viele Bewohner aus dem Umland zum Einkaufen dorthin fahren. In Cottbus ist es sehr reizvoll, daß alle Straßen und Institutionen zweisprachig bezeichnet sind, ein Umstand, den ich bisher nur aus Finnland kannte, weil dort lange die Schweden waren und da ist bis heute alles finnisch/schwedisch bezeichnet. Hier ist es eben deutsch/sorbisch. Potsdam ist mit 167.000 Ew. schon fast eine brandenburgische Großstadt, Cottbus kratzt an der 100.000er-Marke, Brandenburg liegt bei ca. 70.000 - alles andere ist viel kleiner und es gibt etliche Orte, die zwischen 2.000 und 5.000 Ew. liegen.

Sankt Nikolai in Cottbus, im Krieg blieb nur das Mauerwerk, der Rest ist neu
unten: Sankt Nikolai in Cottbus, im Krieg blieb nur das Mauerwerk, der Rest ist neu


Links zu Cottbus
https://www.cottbus.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Cottbus

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Schloß Branitz und Fürst Pückler
Schloß Branitz von der Vorderseite
Schloß Branitz von der Vorderseite

Fürst Pückler hieß früher mein Lieblingseis, und diese Kombination aus Schoko-, Vanille- und Erdbeereis zwischen zwei pappigen Wäffelchen war für mich so selbstverständlich, daß ich nie auf die Idee gekommen wäre, daß dieses Eis vor 200 Jahren etwas unglaubliche Kostbares gewesen ist. Wenn man aber weiß, daß man für diese drei Sorten einen Eiskeller brauchte, den man im Winter mit dem ausgesägten Eis der umliegenden Flüsse vollzustopfen hatte, damit ein Teil des Eises bis in den Sommer überdauerte, dann wird klar, daß dieses Eis ein absolutes Statussymbol und ein Zeichen für Reichtum war. Reich war er schon, dieser Fürst Pückler.

Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (weil er als Pückler 1785 in Muskau geboren wurde) war das älteste von fünf Kindern des Grafen Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler und der Gräfin Clementine von Callenberg und später  Erbe des größten Herrschaftsgebietes der Lausitz. Die Lausitz hatte zwar seit dem Mittelalter ihre besten Zeiten hinter sich, doch sie warf für die Adelsherren noch ausreichend Geld ab, weil es genug steuerzahlende sorbische Untertanen gab. HLH (wie ich den jungen Grafen nun abkürze) begann mit fünfzehn ein Jurastudium in Leipzig, trat mit siebzehn in die Armee ein und war mit 21 Jahren Leutnant. Weil er als Erbe noch nicht viel zu tun hatte (der Vater lebte ja noch), unternahm HLH ausgedehnte Reisen in die Provence und nach Italien (das war üblich), doch er reiste oft zu Fuß (das war nicht ganz so üblich).

1811 starb der Vater und HLH hätte nun als neuer Graf zu Pückler-Muskau eben dort in Muskau bleiben müssen, doch er delegierte die Verwaltung des gräflichen Besitzes an seinen besten Freund Leopold Schefer, denn er war mittlerweile in militärisch-diplomatischen Diensten. 1812 ging HLH mit Leopold Schefer auf Reisen nach England, sah englische Gärten und entdeckte sein Interesse für den Gartenbau und die Gartengestaltung. Er kam wieder zurück, wurde bei den Freiheitskriegen gegen Napoleon Verbindungsmann der Allianz zwischen preußischer und russischer Armee und informierte von Amts wegen ständig den russischen Zaren Alexander I. über die aktuelle Lage. Als Napoleon 1813 von der Allianz zwischen russischem Zaren, österreichischem Kaiser und preußischem König geschlagen wurde, wurde die Lausitz zwar preußisch, aber HLH war nun soweit in diplomatischen Dienste gekommen, daß er alle seine Fürstentümer behielt, seine Titel und vor allen Dingen sein Geld. Er gehörte nun zu den fünfzehn größten Landbesitzern in Preußen - nur zu regieren gab es nichts mehr, denn das wurde ja jetzt von Berlin aus besorgt.

HLH suchte sich also einen neuen Lebensinn und fand ihn in der Gartengestaltung. Sein Vater hatte sich nie sonderlich um das Anwesen gekümmert und so besorgte er sich Literatur, studierte den vier Jahre jüngeren Bonner Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné und verwarf ihn wieder, denn HLHs Credo wurde eine Gartengestaltung, die natürlich aussah, obwohl sie künstlich vorgenommen wurde und Lennée wiedrum propagierte einen geschaffenen ordentlichen Garten, der den Wildwuchs in Formen zwang. Durch das Pücklersche Vermögen konnte HLH seine eigenen Ideen in die Praxis umsetzen. Er ließ tonnenweise Mutterboden auf die kargen Sandböden von Muskau karren, erfand ein Verfahren zum Verpflanzen mittlerer Bäume und schaffte es, in kurzer Zeit das ererbte gräfliche Vermögen drastisch zu verringern. So viel Steuern konnten die Lausitzer gar nicht zahlen wie HLH für den Garten des Schlosses gebraucht hätte. Zwischendurch (1817) heiratete Graf HLH die neun Jahre ältere Lucie, Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, für die der Heiratsmarkt fast abgelaufen war und durch die Verbindungen zur preußischen Regierung wurde HLH recht schnell zum  Fürsten befördert (1822), wenn auch die Lausitz natürlich nicht Fürstentum wurde (s.o), sondern einfach Bestandteil des Reichs bleib.

Dummerweise war das - jetzt fürstliche - Vermögen nach den vielen Ausgaben für den Garten nicht mehr so fürstlich wie früher und HLH und Lucie kamen auf die Idee einer Scheidung, denn die ermöglichte ihm nach reichen Ehefrauen Ausschau zu halten, die den Garten vielleicht zu Ende finanzieren konnten und Lucie sah in HLH eher den Gartenfreund als den Ehemann. Also reiste Pückler nach England und blieb dort vier Jahre - allerdings mit mäßigem Erfolg.

HLH Pückler (Original hängt im Blauen Salon des Schlosses Branitz bei Cottbus) Machbuba (Original hängt im Orientalischen Salon des Schlosses Branitz bei Cottbus)

Fündig wurde HLH zwar nicht, doch durch seine vielen Reisen hatte er angefangen Reiseberichte zu schreiben, die ihm von Lesern regelrecht aus der Hand gerissen wurden und die auch Leser in England und Amerika fanden. HLH wäre auch gerne nach Amerika gereist, verpaßte aber durch ein kleines Duell sein Schiff und disponierte daher um. Er bereiste Algier und Ägypten, wurde vom dortigen Pascha als Staatsgast behandelt und in einem  Palast mit Personal untergebracht, reiste weiter in den Sudan, und trat 1838 bei Khartum die Rückreise an. Zwischendurch hatte er sich 1837 eine schwarze Sklavin gekauft, die etwa 12jährige Machbuba, über die er immer wieder sagte, er behandele sie besser als jeder andere. Machbuba reiste auch mit ihm zurück in seine Heimat, verstarb aber etwa fünfzehnjährig im  Oktober 1840 an „Auszehrung“ (Krebs oder TBC) und wurde im Park von Muskau begraben.
Nach weiteren Stationen bis nach Griechenland und in die höchsten politischen Kreise machte Fürst Pückler 1845 Nägel mit Köpfen, verkaufte den Familienbesitz Muskau und konnte mit dem Erlös Schloß Branitz mit Garten finanzieren. Bis zum Ende seines Lebens 1871 lebte er so, wie er es sich immer vorgestellt hatte, beherbergte Freunde aus Kultur, Gesellschaft und Politik und der einzige verpflichtende Tagesordnungspunkt war das gemeinsame abendliche Dinner im englischen Stil, zu dem mindestens drei und höchstens neun Personen anwesend waren. Aus den erhaltenenen Speisekarten läßt sich nicht nur ein sichers Gespür für Stil erkennen, sondern die bedingungslose Bereitschaft sein Leben dem Schönen zu widmen.Trotzdem empfand er es als würdelos, daß man ihm bei dem aktuellen Deutsch-Französischen Krieg 1870 nicht mehr dabeihaben wollte.

Zum ausgedehnten Park von Schloß Branitz gehört der Familienfriedhof, der bis 1945 genutzt wurde und Pückler verfügte bereits zu Lebzeiten, daß sein Park für die Allgemeinheit geöffnet bleiben solle. Dies ist auch bis heute so. Er selbst und Lucie ließen sich in der Pyramide (Tumulus) am Ende des Gartens begraben.
Das Grab der Eheleute zu Pückler-Muskau
oben: Das Grab der Eheleute zu Pückler-Muskau

unten: Ein Beispiel für die natürliche Wirkung der Branitzer Parkanlage
Ein Beispiel für die natürliche Wirkung der Parkanlage

2026 lief in der Bonner Bundeskunsthalle eine Ausstellung über die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts, insbesondere über Fürst Pückler. Allein der Ausstellungstext der Bonner Ausstellung zu den Speisekarten lohnten den Besuch der „Parkomanie“. Auf dem Dach der Ausstellungshalle waren Gartenelemente nachgebaut, Bestandteile des Branitzer Parks wie der blau/gholdene Pavillon standen dort und man bekam eine umfassende Dokumentation über den Menschen und Lebenskünstler Hermann Ludwig Heinrich, Fürst von Pückler-Muskau.

unten: Goldene Büste von Lucie, Fürstin von Pückler im Gartenpavillon von Schloß Branitz, der im Sommer 2026 in Bonn zu sehen war.
Foto: Susanne Coburger-Schlu,
2016
Goldene Büste von Lucy, Fürstin von Pückler im Gartenpavillon von Schloß Branitz

Links zu Schloß Branitz, dem Park Branitz und zu Fürst Pückler
https://www.cottbus-und-umgebung.de/ausflugsziele/branitzer-park.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Park
http://www.pueckler-museum.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_P%C3%BCckler-Muskau
http://www.fuerstpueckler.de/
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/parkomanie-die-ausstellung.html

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