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- Lübben
ist das Eingangstor zum Spreewald - von der Strecke Potsdam-Cottbus
etwa zwei Drittel von Potsdam entfernt und bereits Bestandteil der
Lausitz. Aus diesem Grund sind wichtige Beschriftungen bereits in
deutsch und sorbisch und alles dreht sich hier um drei Dinge: Die Gurke
ist das eine, Paul Gerhardt ist der andere, der Spreewald ist das
dritte.
- Der
Spreewald ab Lübben ist schon seit Jahrhunderten Anbau- und
Verkaufsfläche der Spreewaldgurken, mittleren, etwa zeigefingerdicken
Gurken, die nach diversen Geheimrezepten eingelegt wurden und von denen
die ganze Gegend lebt. Wenn man durch die Stadt geht, sieht man das,
wenn man am Kahnhafen entlang geht, kann man es nicht übersehen oder
überriechen und wenn man sich abends einer Nachtwächterführung
anschließt (ab 21:00 Uhr trifft man sich am Rathaus) kommt der Ort und
Zeitpunkt, an denen der Nachtwächter auf einmal ein Gurkenglas in der
Hand hat und probieren läßt. Der Zaubertrick ist ganz einfach, rein
zufällig führt die Route am Wohnhaus des Sohns des Lübbener Gurkenkönig
vorbei, der an einer vorbereiteten Stelle ein Glas deponiert hat, das
sich der Nachtwächter abholt und dabei ein bißchen Reklame macht. Wir
haben es nur herausbekommen, weil die Familie auch unsere Ferienwohnung
vermietet und wir uns irgendwann gewundert haben, warum der
Nachtwächter um 22.00 Uhr immer unter unserem Balkon Gurken
verschenkte. Wer dies nachvollziehen will, mag gerne diese
Ferienwohnung mieten
und kann das Phänomen miterleben. Vorher sollte man aber die Führung
mitgemacht haben und die Gurken sind wirklich sehr gut. Übrigens haben
wir uns einen Karton Spreewaldgurken mitgenommen und selbst der
örtliche Lidl hatte sie im Angebot.

Der Lübbener Marktplatz mit der Paul-Gerhardt-Kirche
- Das
zweite Standbein ist Paul Gerhardt, der nun (2026) seinen 250 Todestag hatte. Protestanten kennen den Mann als
Pfarrer und Kirchenlieddichter und seine letzten sieben Lebensjahre
verbrachte er an der Lübbener Gemeinde. Da gab es die Gurken schon.
- Erst nach seinem Tod ging der Gemeinde auf, wen sie da als Pfarrer gehabt
hatten und so ist die Kirche ein Paul-Gerhardt-Musum geworden und hat
eine Dauerausstellung über ihn konzipiert. Da ich selbst aus dem
Posaunenchor komme und Kirchenmusiker war, bin ich natürlich mit Paul
Gerhardt und seinen Liedern groß geworden, aber wer damit nicht viel
anfangen kann, möge diese Ausstellung besuchen und auch ein
bißchen Geld für die Gemeinde dalassen. Sie brauchen es.
- Wenn
man schon mal hier ist, sollte man unbedingt auch einen halben oder
ganzen Tag auf dem Wasser verbringen und sich mit einem Kahn durch den
Spreewald fahren lassen. Da kommt man z.b. auch am Spreeschwimmbad auf
der Schloßinsel vorbei, was für Kinder ein Traum ist. Fahren Sie mit
zehnjährigen Kindern oder Enkeln hin und Sie merken, warum.

Ein Schwimmbad in der Spree - in Lübben gibt es das
- Links zu Lübben:
- https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbben_(Spreewald)
- http://www.luebben.de/de/Tourismus-und-Freizeit/Sehenswert/Fuehrungen/Nachtwaechter-Rundgang-in-Luebben#
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- Der Spreewald

- Manche Stellen im Spreewald lassen sich nur mit dem Boot oder Kahn erleben
- Der
Spreewald ist natürlich eine absolute Besonderheit, weil es durch die
Hunderte von Spreearmen einerseits eine einzigartige Natur- und
Kulturlandschaft ist und weil er das einzige Gebiet Deutschlands mit
zwei Amtssprachen ist. Die Sorben, ein slawischer Stamm, der hier ab
dem 6. Jahrhundert siedelte, bewohnen die Ober- und Niederlausitz und
der Spreewald ist sozusagen das Bindeglied zwischen sorbischer und deutscher Tradition.
Näher an Polen (Oberlausitz) hat das Sorbische einen eher polnischen
Einschlag, näher zu Tschechien (Niederlausitz) eher eine böhmischen
Sprachfärbung. Für einen Standarddeutschen ist es absolut
unverständlich, aber es gibt im Spreewald bis nach Cottbus etwa noch
ca. 20.000 aktive Sprecher des Sorbischen und am Sorbischen Gymnasium
in Bautzen und Cottbus ist es Unterrichtssprache und man kann dort sein
Abitur in Sorbisch ablegen. Einer der wichtigsten Erzählungen des
Sorbischen ist die Geschichte des „Krabat“ und der Schriftsteller
Otfried Preußler hat sorbisch/wendische (böhmische) Wurzeln und hat
viele seiner Geschichten aus dem sorbischen Sagenschatz entlehnt.
- Um
einen kleinen Eindruck des Spreewaldes zu bekommen ist eine Kahnfahrt
unerläßlich, wie es schon Theodor Fontane wußte. Wer mehr auf
Remmidemmi steht, startet in Lübbenau, wo am Hafen ein Kahn nach dem
anderen mit Touristen vollgestopft wird und im Minutentakt ablegt. Wer
es stiller haben möchte, startet in Lübben am Kahnhafen und findet
teilweise wirklich Stille (siehe Foto oben). Wer es noch stiller haben
möchte, kommt um zehn Uhr morgens zum Lübbener Hafen und schaut, ob
sich zehn Gleichgesinnte für eine Tagesfahrt nach Schlepzig finden und
manchmal gibt es auch stimmungsvolle Abendfahrten.
- Es
ist Sonntag, die Arbeit ruht, und die große Fahrstraße zeigt sich
verhältnismäßig leer; nur selten treibt ein mit frischem Heu beladener
Kahn an uns vorüber, und Bursche handhaben das Ruder mit großem
Geschick. Sie sitzen weder auf der Ruderbank, noch schlagen sie
taktmäßig das Wasser, vielmehr stehen sie grad aufrecht am Hinterteile
des Boots, das sie nach Art der Gondoliere vorwärts bewegen. Dies
Aufrechtstehen, und mit ihm zugleich ein beständiges Anspannen all
ihrer Kräfte, hat dem ganzen Volksstamm eine Haltung und Straffheit
gegeben, die man bei der Mehrzahl unserer sonstigen Dorfbewohner
vermißt. Und zwar in den armen Gegenden am meisten. Der Knecht, der
vornüber im Sattel hängt oder, auf dem Strohsack seines Wagens sitzend,
mit einem schläfrigen »Hoi« das Gespann antreibt, kommt kaum je dazu,
seine Brust und Schulterblätter zurechtzurücken oder sein halb
krummgebogenes Rückgrat wieder geradezubiegen, der Spreewäldler aber,
dem weder Pferd noch Wagen ein Sitzen und Ausruhen gönnt, befindet sich
eigentlich immer auf dem Quivive. Das Ruder in der Hand, steht er wie
auf Posten und kennt nicht Hindämmern und Halbarbeit.
Theodor Fontane: In den Spreewald aus: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Kap. 2 °Lehde“
zit. nach http://brandenburg.xbib.de/4.+Spreeland__2.+Lehde.html am 28. Juli 2016
 - oben: Lehde, ein Dorf im Spreewald, das die meisten Einwohner wirklich nur mit dem Boot erreichen können.
unten: In Lehde gibt es kleines, aber sehr feines Freilichtmuseum, in dem ich eine hervorrragende Führung erlebt habe.

- Das
Freilichtmuseum wird von einem Verein mit sehr engagierten Mitgliedern
betrieben und während der Führung (die übrigens eine Dame in sorbischer
Alltagstracht vornahm) hatte man immer das Gefühl, daß die Zeit
stehengeblieben war. Es hätte micht nicht gewundert, wenn man zu Tisch
gebeten und bewirtet worden wäre (was ich in einem kleinen dänischen
Freilichtmuseum vor etlichen Jahren durchaus erlebt habe). Das
Freilichtmuseum Lehde sei Besuchern aufs Wärmste empfohlen, aber man
sollte ins Navi nicht die auf der Webseite angegebene Adresse
eintippen, sonst wird man furchtbar in die Irre geführt, sondern am
besten nur „Lehde“ und „Dorfstraße“. Am Ende der Straße ist dann ein
Parkplatz und ab da sind es etwa 200 m zu Fuß.
- Man
hatte uns bezüglich des Spreewaldes übrigens vor einer regelrechten
Mückenplage gewarnt, der verregnete Juni und Juli hatten die Ängste
geschürt und deswegen hatten wir entsprechend Mückenzeug dabei - aber
wir haben es nicht gebraucht. Ich habe in der Fewo eine einzige Mücke gesehen
(!) und die Mücke, die mich innerhalb einer Woche erwischt hatte, tat
dies im Wald des Branitzer Schlosses bei Cottbus. Soviel zur Angst.
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- Alte Hauptstadt der Lausitz: Luckau / Łukow
- Man
sieht es nicht sofort, aber Luckau hat eine große Geschichte hinter
sich. Erstmalig 1276 erwähnt stieg die Stadt durch ihre Lage an den
Handelsachsen Frankfurt/Oder - Leipzig und der Salzstraße Glogau -
Magedeburg wirtschaftlich auf, wurde auch als Wallfahrtskirche reich
(denn Kaiser Karl IV. schenkte der Stadt 1373 den Kopf des hl.
Paulinus) und als 1490 der König von Böhmen vom ungarischen König
Mathias die Lausitz erbte, machte er Luckau 1492 zur Hauptstadt des
Markgraftum Niederlausitz.
- In
den Napoleonischen Kriegen 1813/13 (Freiheitskriege) besiegt das
preußische Heer unter Bülow die französischen Truppen und stoppte damit
Napoleons Vormarsch auf Berlin. Dabei brannte die Calauer Vorstadt ab
und der Rote Turm und die Stadtmauer wurden beschädigt. Nach dem
Wiener Kongreß wurde Luckau den Preußen zugeschlagen, das Markgraftum
wurde aufgelöst und die Stadt kam nach Brandenburg. Der
Dornröschenschlaf, den die Stadt nach der Verlagerung des politischen Zentrums
erlebte, dauerte bis nach der Wende 1989, denn durch den fehlenden
Eisenbahnanschluß des 19. Jahrhunderts blieb die Industrialisierung
hier größtenteils aus und ein größerer Teil der Häuser daher fast original erhalten.
- Seit
der Landesgartenschau 2000
erfolgt ein stetiger Ausbau der Infrastruktur
als Tourismusziel, dem Ort geht es wieder besser und die
Windkraftanlagen
spielen Geld in die Kasse. Als Besucher kann man länger durch den Ort
bummeln, es gibt genug Läden und Cafés und für die Kirche St. Nikolai
veranschlage man getrost eine Stunde.

Das Innere von St. Nikolai
- 1644
kam es zu einem schweren Stadtbrand, bei dem die Hauptkirche St.
Nikolai schwer beschädigt wurde und die mittelalterliche
Einrichtung verlorenging. Der Aufbau dauerte bis 1770 und die Kirche
gewann durch Ihre neue Einrichtung den jetzigen Zustand (Altaraufsatz
1670, vergoldetete Kanzel 1666, Donat-Orgel von 1672/73). Die
Orgel wurde ein paarmal radikal umgebaut, vor ca. 50 Jahren durch die
Berliner Firma Schuke in eine stilistisch passende Neobarock-Orgel
umgewandelt und liegt damit wieder klanglich näher am Original.
- Besonderheiten
sind in dieser Kirche die Logen unterhalb der Sängerempore und an den
Seitenschiffen und die unglaublich reichhaltige Ausstattung, durch die
die Gemeinde erhebliche Leistungen erbriungen muß um dies alles zu
erhalten. Zur Zeit werden für das Lutherjahr 1517 die Gemälde im
Altarumgang restauriert.
- Links zu Luckau
- http://www.luckau.de/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Luckau
- http://www.kirche-luckau.de/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Nikolai-Kirche_(Luckau)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Luckau
- http://www.luckau.de/de/tourismus/sehenswertes/artikel-roter-turm.html
- http://www.niederlausitzmuseum-luckau.de/
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- Zweitgrößte Stadt Brandenburgs: Cottbus

- oben: Der Altmarkt in Cottbus - alles ist hier zweisprachig: deutsch und sorbisch
- Cottbus
ist nach Potsdam die zweitgrößte Stadt Brandenburgs und das merkt man.
Potsdam und Cottbus haben eine schöne Altstadt, aber auch moderne
Einkaufspassagen und die Städte sind voll, weil viele Bewohner aus dem
Umland zum Einkaufen dorthin fahren. In Cottbus ist es sehr reizvoll,
daß alle Straßen und Institutionen zweisprachig bezeichnet sind, ein
Umstand, den ich bisher nur aus Finnland kannte, weil dort lange die
Schweden waren und da ist bis heute alles finnisch/schwedisch
bezeichnet. Hier ist es eben deutsch/sorbisch. Potsdam ist mit 167.000
Ew. schon fast eine brandenburgische Großstadt, Cottbus kratzt an der
100.000er-Marke, Brandenburg liegt bei ca. 70.000 - alles andere ist
viel kleiner und es gibt etliche Orte, die zwischen 2.000 und 5.000 Ew.
liegen.

- unten: Sankt Nikolai in Cottbus, im Krieg blieb nur das Mauerwerk, der Rest ist neu
- Links zu Cottbus
- https://www.cottbus.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Cottbus
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- Schloß Branitz und Fürst Pückler

Schloß Branitz von der Vorderseite
Fürst
Pückler hieß früher mein Lieblingseis, und diese Kombination aus
Schoko-, Vanille- und Erdbeereis zwischen zwei pappigen Wäffelchen war
für mich so selbstverständlich, daß ich nie auf die Idee gekommen wäre,
daß dieses Eis vor 200 Jahren etwas unglaubliche Kostbares gewesen ist.
Wenn man aber weiß, daß man für diese drei Sorten einen Eiskeller brauchte, den man im Winter mit dem
ausgesägten Eis der umliegenden Flüsse vollzustopfen hatte, damit ein
Teil des Eises bis in den Sommer überdauerte, dann wird klar, daß
dieses Eis ein absolutes Statussymbol und ein Zeichen für Reichtum war.
Reich war er schon, dieser Fürst Pückler.
- Hermann
Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (weil er als Pückler 1785 in Muskau geboren
wurde) war das älteste von fünf Kindern des Grafen Ludwig Carl Hans
Erdmann von Pückler und der Gräfin Clementine von Callenberg und
später Erbe des größten Herrschaftsgebietes der Lausitz. Die
Lausitz hatte zwar seit dem Mittelalter ihre besten Zeiten hinter sich,
doch sie warf für die Adelsherren noch ausreichend Geld ab, weil es
genug steuerzahlende sorbische Untertanen gab. HLH (wie ich den jungen Grafen nun
abkürze) begann mit fünfzehn ein Jurastudium in Leipzig, trat mit
siebzehn in die Armee ein und war mit 21 Jahren Leutnant. Weil er als
Erbe noch nicht viel zu tun hatte (der Vater lebte ja noch), unternahm
HLH ausgedehnte Reisen in die Provence und nach Italien (das war
üblich), doch er reiste oft zu Fuß (das war nicht ganz so üblich).
- 1811
starb der Vater und HLH hätte nun als neuer Graf zu Pückler-Muskau eben
dort in Muskau bleiben müssen, doch er delegierte die Verwaltung des
gräflichen Besitzes an seinen besten Freund Leopold Schefer, denn er
war mittlerweile in militärisch-diplomatischen Diensten. 1812 ging HLH mit Leopold Schefer auf Reisen nach
England, sah englische Gärten und entdeckte sein Interesse für den
Gartenbau und die Gartengestaltung. Er kam wieder zurück, wurde
bei den Freiheitskriegen gegen Napoleon Verbindungsmann der Allianz zwischen preußischer
und russischer Armee und informierte von Amts wegen ständig den
russischen Zaren Alexander I. über die aktuelle Lage. Als Napoleon 1813 von der Allianz
zwischen russischem Zaren, österreichischem Kaiser und preußischem König geschlagen wurde, wurde die Lausitz zwar preußisch,
aber HLH war nun soweit in diplomatischen Dienste gekommen, daß er alle seine Fürstentümer behielt,
seine Titel und vor allen Dingen sein Geld. Er gehörte nun zu den
fünfzehn größten Landbesitzern in Preußen - nur zu regieren gab es
nichts mehr, denn das wurde ja jetzt von Berlin aus besorgt.
- HLH
suchte sich also einen neuen Lebensinn und fand ihn in der
Gartengestaltung.
Sein Vater hatte sich nie sonderlich um das Anwesen gekümmert und so
besorgte er sich Literatur, studierte den vier Jahre jüngeren Bonner
Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné und verwarf ihn wieder, denn
HLHs Credo wurde eine
Gartengestaltung, die natürlich aussah, obwohl sie künstlich
vorgenommen wurde und Lennée wiedrum propagierte einen geschaffenen
ordentlichen Garten, der den Wildwuchs in Formen zwang. Durch das
Pücklersche Vermögen konnte HLH seine eigenen Ideen in die
Praxis umsetzen. Er ließ tonnenweise Mutterboden auf die kargen
Sandböden von
Muskau karren, erfand ein Verfahren zum Verpflanzen mittlerer Bäume und
schaffte es, in kurzer Zeit das ererbte gräfliche Vermögen drastisch zu
verringern. So viel Steuern konnten die Lausitzer gar nicht zahlen wie
HLH für den Garten des Schlosses gebraucht hätte. Zwischendurch (1817)
heiratete Graf HLH die neun
Jahre ältere Lucie, Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August
von Hardenberg, für die der Heiratsmarkt fast abgelaufen war und
durch die Verbindungen zur preußischen Regierung wurde HLH recht
schnell zum Fürsten befördert (1822), wenn auch die Lausitz
natürlich nicht Fürstentum wurde (s.o), sondern einfach Bestandteil des
Reichs bleib.
- Dummerweise
war das - jetzt
fürstliche - Vermögen nach den vielen Ausgaben für den Garten nicht
mehr so fürstlich wie früher und HLH und Lucie kamen auf die Idee einer
Scheidung,
denn die ermöglichte ihm nach reichen Ehefrauen Ausschau zu halten, die
den Garten vielleicht zu Ende finanzieren konnten und Lucie sah in HLH
eher den Gartenfreund als den Ehemann. Also reiste Pückler nach
England und blieb dort vier Jahre - allerdings mit mäßigem Erfolg.
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| HLH Pückler (Original hängt im Blauen Salon des Schlosses Branitz bei Cottbus) |
Machbuba (Original hängt im Orientalischen Salon des Schlosses Branitz bei Cottbus)
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Fündig
wurde HLH zwar nicht, doch durch seine vielen Reisen hatte er
angefangen Reiseberichte zu schreiben, die ihm von Lesern regelrecht
aus der Hand gerissen wurden und die auch Leser in England und Amerika
fanden. HLH wäre auch gerne nach Amerika gereist, verpaßte aber durch ein kleines Duell sein
Schiff und disponierte daher um. Er bereiste Algier und Ägypten, wurde vom
dortigen Pascha als Staatsgast behandelt und in einem Palast mit
Personal untergebracht, reiste weiter in den Sudan, und trat 1838 bei
Khartum die Rückreise an. Zwischendurch hatte er sich 1837 eine
schwarze Sklavin gekauft, die etwa 12jährige Machbuba, über die er
immer wieder sagte, er behandele sie besser als jeder andere. Machbuba
reiste auch mit ihm zurück in seine Heimat, verstarb aber etwa fünfzehnjährig im
Oktober 1840 an „Auszehrung“ (Krebs oder TBC) und wurde im Park von
Muskau begraben.
- Nach
weiteren Stationen bis nach Griechenland und in die höchsten
politischen Kreise machte Fürst Pückler 1845 Nägel mit Köpfen,
verkaufte den Familienbesitz Muskau und konnte mit dem Erlös Schloß
Branitz mit Garten finanzieren. Bis
zum Ende seines Lebens 1871 lebte er so, wie er es sich immer
vorgestellt hatte, beherbergte Freunde aus Kultur, Gesellschaft und
Politik und der einzige verpflichtende Tagesordnungspunkt war das
gemeinsame abendliche Dinner im englischen Stil, zu dem mindestens drei
und höchstens neun Personen anwesend waren. Aus den erhaltenenen
Speisekarten läßt sich nicht nur ein sichers Gespür für Stil erkennen,
sondern die bedingungslose Bereitschaft sein Leben dem Schönen zu
widmen.Trotzdem empfand er es als würdelos, daß man ihm bei dem
aktuellen Deutsch-Französischen Krieg 1870 nicht mehr dabeihaben wollte.
- Zum ausgedehnten Park von Schloß Branitz gehört der
Familienfriedhof, der bis 1945 genutzt wurde und Pückler verfügte
bereits zu Lebzeiten, daß sein Park für die Allgemeinheit geöffnet
bleiben solle. Dies ist auch bis heute so. Er selbst und Lucie ließen
sich in der Pyramide (Tumulus) am Ende des Gartens begraben.
 - oben: Das Grab der Eheleute zu Pückler-Muskau
unten: Ein Beispiel für die natürliche Wirkung der Branitzer Parkanlage

- 2026 lief in der
Bonner Bundeskunsthalle eine Ausstellung über die Gartenkunst des 19.
Jahrhunderts, insbesondere über Fürst Pückler. Allein der Ausstellungstext der Bonner Ausstellung zu den Speisekarten lohnten den Besuch der „Parkomanie“. Auf dem Dach der Ausstellungshalle waren
Gartenelemente nachgebaut, Bestandteile des Branitzer Parks wie der
blau/gholdene Pavillon standen dort und man bekam eine umfassende
Dokumentation über den Menschen und Lebenskünstler Hermann
Ludwig Heinrich, Fürst von Pückler-Muskau.
- unten:
Goldene Büste von Lucie, Fürstin von Pückler im Gartenpavillon von
Schloß Branitz, der im Sommer 2026 in Bonn zu sehen war.
Foto: Susanne
Coburger-Schlu, 2016

Links zu Schloß Branitz, dem Park Branitz und zu Fürst Pückler
https://www.cottbus-und-umgebung.de/ausflugsziele/branitzer-park.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Park
http://www.pueckler-museum.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_P%C3%BCckler-Muskau
http://www.fuerstpueckler.de/- http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/parkomanie-die-ausstellung.html
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