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Einführung zu Brandenburg
Texte und Fotos: Martin Schu ab 2007, Stand: 4. September 2026

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Brandenburg kannte ich immer nur über Bachs „Brandenburgische Konzerte“ und die Geschichte des Kurfürsten, der die sechs Konzerte zwar bestellt hatte, aber den Betrag dafür dem alten Bach sein Leben lang schuldig blieb. In meiner Schulzeit um 1970 waren die Landschaften der DDR etwas, worüber man nicht sprach und obwohl ich einen ostpreußischen Erdkundelehrer hatte (Eitel Bink), konnte der mich nicht wirklich für die Geschichte Ostpreußens, Schlesiens, der Mark Brandenburg oder der Lausitz begeistern. Deshalb hatte ich auf meiner geistigen Landkarte etliche weiße Flecken östlich von Hessen, Niedersachsen und Schleswig Holstein.

Im Studium las ich dann natürlich Fontane, verschmähte aber die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, weil ich nicht wußte, worüber diese Beschreibungen gingen und erst viel später, als Eitel Bink schon lange tot war und meine eigenen Kinder in der Pubertät waren (die Zeit also, in der die Eltern schwierig werden), kam es zu ersten Berührungen mit dem unbekannten Land um Berlin herum. Eine Generation nach dem Mauerfall sind mir als gelerntem Rheinländer auch Mecklenburg und Vorpommern geläufig, aber - das habe ich mittlerweile gelernt - die spröde Schönheit zwischen der Mark und der Lausitz braucht ihre Zeit und erst nach zwanzig Jahren Besuch in Brandenburg traue ich mich, darüber zu schreiben.

Auch auf die Gefahr, daß Eitel Bink sich oben ins Fäustchen lacht, weil er mich doch noch drangekriegt hat, empfehle ich als Vorbereitung ein bißchen aus Fontanes „Wanderungen“ (die eine und andere Textstelle werde ich gegenüberstellen), den einen oder anderen Spreewaldkrimi zwischen Lübben und Lübbenau, die fehlerfreie Aussprache des Satzes „Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“, einige Passagen aus dem Film „Good Bye Lenin“ , in denen es um Spreewaldgurken geht und spätestens danach ist der Märkische Sand nicht mehr ganz so trocken, wie er am Anfang erscheint.

Alleen in Brandenburg - Zeit muß man mitbringen
Eine typische Allee in Brandenburg - gerade, mit Bäumen bewachsen und eng.

Vorankommen in Brandenburg ist wie Autofahren in Rügen. Oft sind Nebenstraßen noch grob gepflastert (Kantenlänge ca. 35 cm), die Alleen sind eng, die Bäume stehen nur wenige Meter auseinander und alle paar Kilometer erinnert ein Holzkreuz an mindestens einen Unfalltoten, denn wer nachts zu schnell fährt und einen Fahrfehler macht, klebt am unweigerlich am Baum. Die Straßen sind lang und gerade und verleiten zum schnellen Fahren, aber da reicht schon ein mittlerer Wildwechsel und es knallt. Auch am Tage muß man damit rechnen, daß irgendwelche Viecher über die Straßen wollen - einmal war es eine freilaufende Ziege, ein anderes Mal  ein tieffliegender Storch mit einem Frosch im Schnabel. Aus gutem Grund sollte man deshalb niemals hundert fahren - spätestens beim nächsten LKW ist sowieso Schluß, weil man den viele Kilometer nicht auf der Landstraße überholen kann. Geduld ist also ganz wichtig.

Oft hat man auch ein 30 Km-Schild, das für LKWs abends in den Ortschaften gilt und dann kann man sowieso nur abwarten. Man braucht für diesen Landstrich einfach
Zeit und in Brandenburg geht es weniger um das Ziel als um den Weg dorthin. An Ferienwochenenden tut man übrigens gut daran, nicht über die A 19 zu fahren, sondern nimmt besser die B96, die teilweise sehr gut ausgebaut ist. Wir haben immer wieder festgestellt, daß auf der Strecke Berlin-Rostock der Weg über die B96 selbst mit großem Umweg schneller war, als wenn wir noch zwei weitere Stunden auf der Autobahn gestanden hätten. Da ist eine analoge Karte aus Papier sehr hilfreich..

Wenn wir noch Zeit hatten, fuhren wir aufs Geradewohl (noch ohne Navi, rein analog nach Karte). Wir kamen durch teilweise verlassene Dörfer, in denen nur jedes dritte Haus bewohnt war, fanden drei Dörfer weiter einen rollenden Bäcker, der gleichzeitig auch als Post und Bankschalter fungierte, kamen an einem Bücherbus vorbei, der in einem fast verlassenen Dorf parkte und hätten fast an jeder Straßenecke ein altes Haus für einen Appel und ein Ei kaufen können. Wir haben uns allerdings erst gar nicht näher bemüht, denn wir waren damals alle noch schulpflichtig (Kinder und Eltern) und konnten uns ein halbwegs erfülltes Leben so dermaßen ländlich nicht richtig vorstellen. Außerdem war das die Zeit, in der der Regierungspräsident Köln Klassenfahrten nach Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern nicht genehmigte, wenn man Kinder mit Migrationshintergrund in der Klasse hatte.

Es war kurz vorher (2005) in diesen Ländern zu Übergriffen gegen ausländische Schüler und Schülerinnen gekommen, die NPD saß in beiden Ländern im Landtag und weil in NRW zwei von drei Schüler/innnen/n in unseren Klassen einen Migrationshintergrund hatten (auch damals schon), war dies für uns keine Option für später. Zwanzig Jahre später (2026) ist aus den paar Nazis eine blaue Volkspartei geworden  und die braun-blaue Soße schwappt von Sachsen-Anhalt wohl bis hierhin - man wird es später sehen. Die Strukturprobleme (Krankenhaus, Arztversorgung, Einkaufsmöglichkeiten etc.,) bestehen aber noch zu großen Teilen und sollte de AfD die migrantischen Pfleger*, Fachkräfte, Mediziner* und Lehrer (*innen) „remigrieren“, dürften auch hier de Lichter ausgehen, weil es nun keine Mauer mehr gibt, die dies verhindern würde - Treppenwitz der Geschichte.


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