zurück nach Deutschland
Potsdam
Werder
Caputh
Lehnin
Ribbeck
Neuruppin
Rheinsberg
Spreewald
Lübben
Lübbenau
Cottbus
Branitz
|
Brandenburg
kannte ich immer nur über Bachs „Brandenburgische Konzerte“ und die
Geschichte des Kurfürsten, der die sechs Konzerte zwar bestellt hatte,
aber den Betrag dafür dem alten Bach sein Leben lang schuldig blieb. In
meiner Schulzeit um 1970 waren die Landschaften der DDR etwas, worüber
man nicht sprach und obwohl ich einen ostpreußischen Erdkundelehrer
hatte (Eitel Bink), konnte der mich nicht wirklich für die Geschichte Ostpreußens,
Schlesiens, der Mark Brandenburg oder der Lausitz begeistern. Deshalb hatte ich auf
meiner geistigen Landkarte etliche weiße Flecken östlich von Hessen, Niedersachsen und Schleswig Holstein.
- Im Studium las ich
dann natürlich Fontane, verschmähte aber die „Wanderungen durch die Mark
Brandenburg“, weil ich nicht wußte, worüber diese
Beschreibungen gingen und erst viel später, als Eitel Bink schon lange
tot war und meine eigenen Kinder in der Pubertät waren (die Zeit also, in
der die Eltern schwierig werden), kam es zu ersten Berührungen mit dem
unbekannten Land um Berlin herum. Eine Generation nach dem Mauerfall sind mir als gelerntem Rheinländer auch Mecklenburg und
Vorpommern geläufig, aber - das habe ich mittlerweile gelernt - die
spröde Schönheit zwischen der Mark und der Lausitz braucht ihre Zeit
und erst nach zwanzig Jahren Besuch in Brandenburg traue ich mich, darüber zu
schreiben.
- Auch auf die Gefahr, daß Eitel Bink sich oben ins Fäustchen
lacht, weil er mich doch noch drangekriegt hat, empfehle ich als
Vorbereitung ein bißchen aus Fontanes „Wanderungen“ (die eine und andere
Textstelle werde ich gegenüberstellen), den einen oder anderen
Spreewaldkrimi zwischen Lübben und Lübbenau, die fehlerfreie Aussprache des Satzes „Der Cottbuser
Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“, einige Passagen aus dem Film
„Good Bye
Lenin“ , in denen es um Spreewaldgurken geht und spätestens danach ist
der Märkische Sand nicht mehr ganz so trocken, wie er am Anfang erscheint.

- Eine typische Allee in Brandenburg - gerade, mit Bäumen bewachsen und eng.
- Vorankommen
in Brandenburg ist wie Autofahren in Rügen.
Oft sind Nebenstraßen noch
grob gepflastert (Kantenlänge ca. 35 cm), die Alleen sind eng, die
Bäume stehen nur wenige Meter
auseinander und
alle paar Kilometer erinnert ein Holzkreuz an mindestens einen
Unfalltoten, denn wer nachts zu schnell fährt und einen
Fahrfehler
macht, klebt am unweigerlich am Baum. Die Straßen sind lang und gerade
und verleiten
zum schnellen Fahren, aber da reicht schon ein mittlerer Wildwechsel
und es knallt. Auch am Tage muß man damit rechnen, daß irgendwelche
Viecher über die Straßen wollen - einmal war es eine freilaufende
Ziege, ein anderes Mal ein tieffliegender Storch mit einem Frosch
im Schnabel. Aus gutem Grund sollte man deshalb niemals hundert fahren
- spätestens beim nächsten LKW ist sowieso Schluß, weil man den viele
Kilometer nicht auf der Landstraße überholen kann. Geduld
ist also ganz wichtig.
Oft hat man auch ein 30 Km-Schild, das
für LKWs abends in den Ortschaften gilt und dann kann man sowieso nur abwarten. Man braucht
für diesen Landstrich einfach Zeit
und in Brandenburg geht es weniger um das Ziel als um den Weg dorthin.
An Ferienwochenenden tut man übrigens gut daran, nicht über die A 19 zu
fahren, sondern nimmt besser die B96, die teilweise sehr gut ausgebaut
ist. Wir haben immer wieder festgestellt, daß auf der Strecke
Berlin-Rostock der Weg über die B96 selbst mit großem Umweg schneller
war, als wenn wir noch zwei weitere Stunden auf der Autobahn gestanden
hätten. Da ist eine analoge Karte aus Papier sehr hilfreich..
- Wenn wir noch Zeit hatten, fuhren wir aufs Geradewohl (noch ohne Navi, rein
analog nach Karte). Wir kamen durch teilweise verlassene Dörfer, in
denen nur jedes dritte Haus bewohnt war, fanden drei Dörfer weiter
einen rollenden Bäcker, der gleichzeitig auch als Post und Bankschalter
fungierte, kamen an einem Bücherbus vorbei, der in einem fast
verlassenen Dorf parkte und hätten fast an jeder Straßenecke ein altes
Haus für einen Appel und ein Ei kaufen können. Wir haben uns allerdings
erst gar nicht näher bemüht, denn wir waren damals alle noch
schulpflichtig (Kinder und Eltern) und konnten uns ein halbwegs
erfülltes Leben so dermaßen ländlich nicht richtig vorstellen. Außerdem
war das die Zeit, in der der Regierungspräsident Köln Klassenfahrten
nach Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern nicht genehmigte, wenn man
Kinder mit Migrationshintergrund in der Klasse hatte.
Es war kurz vorher (2005) in diesen Ländern zu Übergriffen gegen
ausländische Schüler und Schülerinnen gekommen, die NPD saß in beiden
Ländern im Landtag und weil in NRW zwei von drei Schüler/innnen/n in
unseren Klassen einen Migrationshintergrund hatten (auch damals schon),
war dies für uns keine Option für später. Zwanzig Jahre später (2026)
ist aus den paar Nazis eine blaue Volkspartei geworden und die
braun-blaue Soße schwappt von Sachsen-Anhalt wohl bis hierhin - man
wird es später sehen. Die Strukturprobleme (Krankenhaus,
Arztversorgung, Einkaufsmöglichkeiten etc.,) bestehen aber noch zu
großen Teilen und sollte de AfD die migrantischen Pfleger*, Fachkräfte,
Mediziner* und Lehrer (*innen) „remigrieren“, dürften auch hier de
Lichter ausgehen, weil es nun keine Mauer mehr gibt, die dies
verhindern würde - Treppenwitz der Geschichte.
- zurück
- nach oben - zurück
|
|