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Schwaan - die Rostocker Künstlerkolonie
Text und Fotos: © Martin Schlu  ab Sommer  2005,    Stand: 29. März 2026

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Vorgeschichte

Carl Malchin - Vier Generationen von Maler/inne/n - Die Künstlervereinigung „Apelles“ - Der SkulpturenparkDas Dorf Schwaan -

Die  Künstlerkolonie Schwaan entstand im 19 Jahrhundert zwischen Rostock und Güstrow als eine von mehreren Künstlergemeinschaften. Woprswede, Ahrenshoop und Hiddensee sind sicher die bekanntesten Orte in Deutschland, aber es gab auch viele andere Gemeinschaften z.B.  in Preußen/Litauen (Nidden/Nida), Frankreich (Barbizon und Pont-Aven ) oder Dänemark (Skagen). Allen Künstlergemeinschaften gemeinsam war die Suche nach einer neuen Malweise, weil sich die möglichst genaue Darstellung von Personen, Landschaften und Dingen mit dem Aufkommen der Fotografie erledigt hatte. Maler (meistens Männer) suchten nach neuen Ausdrucksweisen, die mit den Fotos nicht erreicht werden konnten und entwickelten Impressionismus, Expressionismus und viele ander -ismen, die die Malerei gegenüber der Fotografie wieder emanzipierten.

Ab etwa 1880 wurde die Malerei weiblicher, weil es immer mehr Frauen gab, die zum Zeitvertreib malten. Ihnen war es aber noch Jahrzehnte lang verboten, an öffentlichen Akademien zu studieren und so gab es eine rege Nachfrage nach privaten Malkursen. Viele Frauen gingen auch deswegen in die Malerkolonien und suchten gemeinsam mit ihren Künstlerkollegen nach neuen Formen. Vielen waren diese „Malweiber“ nicht geheuer, doch es wurden immer mehr und in Ahrenshoop, Worpswede, Skagen und natürlich in Paris tauchten Künstlerinnen auf wie Dora Koch-Stetter, Clara Westhoff, Anna Ancher, Paula Modersohn-Becker oder Camille Claudel. Oft waren sie mit einem Maler liiert und verheiratet, doch manchmal ergab sich auch eine Künstlerehe, wie man es von Robert und Clara Schumann kannte.

Die Alte Mühle von Schwaan, heute das wichtigste Museum der Schwaaner Künstlerkolonie
Die Alte Mühle von Schwaan, heute das wichtigste Museum der Schwaaner Künstlerkolonie.

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Carl Malchin
Carl Malchin (1838-1923) aus Kröpelin (Nähe Rostock) befaßte sich erst mit Mitte Zwanzig mit der Malerei und entdeckte schon vor 1860 Motive in den Flussläufen der Warnow und ihrem Zufluß Beke in Schwaan. Er hatte Schiffbauer und Vermessungsingenieur gelernt und betrieb die Malerei als Hobby. Malchin konnte die Malerei zu seinem Beruf machen, als ihm der Landesherzog 1873 ein Stipendium für die Kunstschule Weimar bezahlte. Ab den 1880er Jahren konnte Malchin von Auftragswerken leben.

1892 kam er nach Wustrow und nach Ahrenshoop und malte dort die ortstypischen Motive wie Strand, Felder, Bauernhäuser und Alltagsszenen. Der aufkommende Tourismus bescherte ihm gute Verkäufe, seine Reputation stieg und ab 1890 verlieh ihm Großherzog Friedrich Franz III. den Professorentitel.

Im gleichen Jahr lernte Malchin den in Schwaan geborenen Franz Bunke (1857–1939) kennen, der ebenfalls in Weimar studiert und gerade eine Künstlerkolonie in Schwaan gegründet hatte. Nun war Malchin sowohl in Ahrenshoop als auch in Schwaan Mitglied und es entwickelte sich ein Austausch der Kolonien Schwaan, Ahrenshoop und Hiddensee. Man malte die Motive, die es vor Ort gab - hier war es oft die Schwaaner Kirche.


Otto Bartels (1874-1858), Blick auf Schwaan
Quelle: https://www.kunstmuseum-schwaan.de/otto-bartels/ 14.03.2025
Foto vom 14.03.2025
Der Bewuchs hat sich in etwa hundert Jahren entsprechend verändert.

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Vier Generationen von Maler/inne/n
Das Schwaaner Museum zeigte im März 2025 eine Ausstellung, in der Fotos des Fotografen Wilhelm Dreesen mit gemalten Bildern ähnlicher oder gleicher Motive gegenübergestellt wurden. Damit wurde die o.g. Diskussion zwischen Fotografie und Malerei sehr fundiert beschrieben. Wenn man die Diskussion der Impressionisten und Expressionisten über den Zweck eines Bildes kennt, war diese Ausstellung eine Offenbarung.

Im Herbst 2025 ging es um die Familie Hardt/Rösler/Kröhnke, die vier Generationen von Künstlerinnen umfaßte: Die Urgroßmutter Sophie Hardt (ca. 1860-1943/44) lebte als Frau eines ostpreußischen Rittergutbesitzers auf Gut Schildeck (heute Szydlak) bei Osterode im ehemaligen Kreis Allenstein gelegen  und fand  als Gutsherrin natürlich nur selten Gelegenheit zum Zeichnen.. Sie zeichnete 1893 unter anderem ihre damals dreizehnjährige Tochter Oda beim Malen.

Oda Hardt (1880-1965, später Oda Hardt-Rösler) studierte von 1902 bis 1906 Malerei in Königsberg und heiratete 1906 den Maler Waldemar Rösler. Das Ehepaar ließ sich in Berlin nieder. Mit der Ehe musste Oda die eigene künstlerische Tätigkeit aufgeben, um diese 20 Jahre nach dem frühen Tod Waldemars wieder aufzunehmen. 1916 starb dieser 34jährig an der Front und wurde auf Gut Schildeck begraben. Die gemeinsamen Zwillinge Louisa und Fritz waren damals neun Jahre alt. Oda kümmerte sich nach dem Tod ihres Mannes um seinen Nachlass. Lebensstationen der Familie waren nach 1916 Jena, Bad Berka, Weimar und auch wieder Berlin. Um 1930 malte Oda ihre Mutter Sophie Hardt im Alter von etwa siebzig Jahren auf der Terasse in Schildeck.

Sophie Hardt: Tochter Oda um 1893
Oda Hardt-Rösler: Sophie Hardt um 1930
Sophie Hardt: Tochter Oda um 1893
Mit frdl. Genehmigung von Anka Kröhnke
Oda Hardt-Rösler: Sophie Hardt um 1930
Mit frdl. Genehmigung von Anka Kröhnke

Odas Tochter und Sophies Enkelin Louise Rösler (1907-1993) war mit dem Maler Walter Kröhnke verheiratet und deren Tochter und Sophies Urenkelin Anka Kröhnke (geb. 1940) macht seit den 1960er Jahren Textil- und Objektkunst. Man kann über 150 Jahre sehr schön sehen, wie die Lebensumstände Auswirkungen auf die Biographie und die Kunst haben.

Video über und mit Anka Kröhnke

Anka Kröhnke berichtete mir bei einem Besuch in Kühlungsborn, daß in ihrer Familie öfter erzählt wurde, das Gutshaus sei voller Bilder gewesen, die Sophie Hardt gemalt und gezeichnet hatte. Diese konnte sie aber nur im Winter schaffen, wenn die Landwirtschaft ruhte. Eine Karriere als Malerin war für Sophie nicht möglich, da sie als Gutsherrin dafür sorgen mußte, daß die Landwirtschaft lief - anders als bei ihren Nachkommen. Gut Schildeck wurde nach dem Zweiten Weltkrieg polnisch, ist mittlerweile wieder in privater Hand und verfällt leider. Über Waldemar Röslers Grab dort ist nichts mehr bekannt. Von seinen Bilder sind etwa 100 Werke verschwunden - vermutlich gestohlen, verbrannt oder beides.

Mehr findet man in Anka Kröhnkes Atelier in Kühlungsborn.

Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Schlossstraße 4, 18225 Ostseebad Kühlungsborn


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Fotographie und Malerei - Die Künstlervereinigung Apelles und Schwaan
Im März 2026 war das Ausstellungsthema der Einfluß der Fotografie auf die Bilder der Künstlerkolonie. Der Weimarer Kunstprofessor Albert Brendel (1825-1895) war um 1860 etliche Jahre im französischen Barbizon und  hatte dort die Freiluftmalerei kennengelernt. Dort befaßte sich Brendel neben der Malerei auch mit der neu aufgekommen Fotografie und fertigte Fotos von der Natur an, die er dann in Gemälde umsetzte. Parallel dazu entstand 1860 die vom Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach neu gegründeten Kunstschule in Weimar. Dort wurden die Ideale der Barbizon-Maler gelehrt, doch dies war so umstritten, daß der Gründungsrektor später zurücktrat und durch den Düsseldorfer Landschaftsmaler Theodor Hagen ersetzt wurde. Hagen setzte die neue Landschaftsmalerei in Weimar durch und wurde damit stilbildend für die deutschen Impressionisten. War es am Anfang nur ein Zusammenschluß der Weimarer Kunstprofessoren, kamen später noch deren Studenten dazu und es entstand eine generationsübergreifende Malerfamilie. Franz Bunke, bis 1884 einer der Schüler Theodor Hagens und danach Lehrer für Landschaftsmalerei in Weimar, brachte ab 1892 eigene Studenten nach Schwaan und begründete dort die Schwaaner Malerschule, die sich an Barbizon anlehnte. 1895 wurde in Weimar die Künstlervereinigung „Apelles“ (nach dem griechischen Maler) gegründet, ein Zusammenschluß der Weimarer Maler um Theodor Hagen, Franz Bunke, Carl Malchin, Peter Paul Draewing und Alfred Heinsohn.

Portrait Franz Bunkes von seinem Schüler Richard Starcke um 1895 (Kunstmuseum Schwaan)
Portrait Franz Bunkes von seinem Schüler Richard Starcke um 1895 (Kunstmuseum Schwaan)

In der Ausstellung wurden Bilder der Schwaaner und Weimarer Künstler gezeigt, teilweise auch mit der Gegenüberstellung der Fotos von Albert Brendel. Man kann deutlich erkennen, wie die Fotos sich den Bildern annäherten und wie die gemalten Bilder ihre eigene Sprache gefunden haben. Schließlich mußte die Malerei sich im 19. Jahrhundert neu erfinden, nachdem eine reine Darstellung von Objekten durch der Fotografie besser übernommen werden konnte.

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Skulpturenpark
Zum Museum Schwaan gehört ein kleiner Skulpturenpark, in dem aktuelle Künstler eine Plattform haben. Im Sommer ist der Park sehr schön, an der Beke gelegen und mit einfachen Wegen ausgestattet. Hier fand ich die Skulptur von Andreas Hedrich (Helios) von 2017, die mich an die halben Metallgesichter von Igor Mitoraj erinnert hat - hier nur eben aus Stein.


„Helios“ von Andreas Hedrich im Museumsparl von Schwaan.

Kunstmuseum Schwaan, Mühlenstraße 12, 18258 Schwaan, Eintritt € 7,00 (März 2026)


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Schwaan als Dorf
Das Dorf Schwaan ist recht klein, obwohl es Verwaltungseinheit für sechs Gemeinden ist. Insgesamt leben im Dorf und den sechs Nachbargemeinden knapp 5.000 Menschen. Wenn man um die Kirche herumgeht, kommt man an ein kleines Zentrum, wo man eine Pause einlegen kann, denn das Museum hat noch kein Café.

Dorftsraße in Schwaan

Links des Standpunktes liegt das Museum, rehts hinter der Kirche ist der Markt.
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