Hompeage Martin Schlu
Grasse - Parfümstadt seit 1580
Text und  Fotos:  Martin Schlu   
Stand: 17. Mai  2026 

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Geschichte - Altstadt -


Geschichte und Einflüsse
Grasse ist seit 1580 eine Stadt der Parfumherstellung und wer Patrick Süskinds „Parfüm“ gelesen hat, kann verstehen, warum seit Erscheinen des Romans Millionen von Touristen die Stadt bevölkern. Süskind schreibt über die Stadt, die am Ende eines  vom Meer entfernten Talkessels liegt:

Am anderen Ende der großen Schüssel, vielleicht zwei Meilen entfernt, lag, oder besser gesagt, klebte an den ansteigenden Bergen eine Stadt....  ein kleiner Stumpen von Kirchturm, keine dominierende Feste, kein auffallend prächtiges Gebäude. ... Es war, als sei dieser Ort schon zu oft erobert und wieder entsetzt worden, als sei er es müde, künftigen Eindringlingen noch ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen - aber nicht aus Schwäche, sondern aus Lässigkeit oder sogar aus einem Gefühl von Stärke. Er sah aus, als habe er es nicht nötig zu prunken. Er beherrschte die große duftende Schüssel zu seinen Füßen, und das schien ihm zu genügen.

Dieser zugleich unansehnliche und selbstbewußte Ort war die Stadt Grasse, seit einigen Jahrzehnten unumstrittene Produktions- und Handelsmetropole für Duftstoffe, Parfumeriewaren, Seifen und Öle....Ein Rom der Düfte sei die Stadt, das gelobte Land der Parfumeure, und wer nicht seine Sporen hier verdient habe, der trage nicht zu Recht den Namen Parfumeur..

(Quelle: Parick Süskind: Das Parfüm, Diogenes Verlag AG, Zürich 1985, ISBN 3-257-01678-6, S. 200ff)

Hier
bezieht sich Süskind auf die Geschichte der Stadt als nationale Parfümhochburg. 1040 gibt es die erste Erwähnung, um 1300 wurde die Stadt Bistum und hatte überdurchschnittlich viele Gerbereien, die der Lederindustrie zuarbeiteten. 1580 kam der Apotheker Francesco Tombarelli in die Stadt und verkaufte die ersten Düfte, die den Gerbergestank etwas erträglicher machten. Er war recht erfolgreich und im Laufe der zeit siedelten sich weitere Parfumeure an wie  Galimard (seit 1747),  Fragonard, (seit 1747) oder Lubin (seit 1798).

Ab dem 18. Jahrhundert lag der Schwerpunkt auf Jasmin- und Orangendüften und rund um die Stadt wurden auf den Feldern die nötigen Pflanzen angebaut.

Ausblick von der Terasse unterhalb des Boulevard du Jeu de Ballon
Ausblick von der Terasse unterhalb des Boulevard du Jeu de Ballon

Altstadt
Man ist über die D4 oder die D 2562 in den Ort gekommen, hat sich die Serpentinen hoch geschraubt und hat mit etwas Glück einen Platz im Parkhaus am Boulevard Victor Hugo gefunden. Man ist danach ein paar Meter hochgestiegen und hat das erste Mal den Rundblick über die Stadt. Auch wenn das Meer sichtbar ist, liegt es etwa zehn Kilometer entfernt und die Ausdehnung der Stadt ist nicht so groß wie angenommen. Von der Aussichtsplattform sieht man sofort das große Haus der Parfumerie Fragonard, eines der alten Traditinsunternehmen der Stadt ist, das nicht nur Parfum produziert, sondern auch Besichtigungen abietet, wie es die meisten Firmen tun. Man sieht aber auch die Bautätigkeit in der Stadt, nachdem viele Häuser vor sich hingegammelt haben müssen, weil es so viele Häuser gibt, an denen die
Jahrzehnte und Jahrhunderte genagt haben - ähnlich wie in Venedig. Man benutzt das Wort „pittoresk“ dafür, aber eigentloch heißt es „vergammelt“.

Dorfkirche und Parfumerie Fragonard
Das Haus Fragonard am gleichnamigen Boulevard (Foto: Susanne Coburger-Schlu)

Geht man von der Aussichtsplattform wenige Meter nach oben kommt man an eine breite Hauptsraße, den Boulevard du Jeu de Ballon. Hier finden sich viele restaurierte Häuser im Pariser Stil, allerdings ohne Balkone und die Palmenalleen haben nicht nur ihren Reiz, sondern zeigen auch, daß es im Sommer recht heiß wird und dann geht sowieso kein Mensch auf einen Balkon.

Die pinken Schirme sidn eine Werbeaktion und sehen zumindest schön aus. Nicht so schön ist der Umstand, daß alle, die durch die Stadt wollen, hier vorbei müssen und so zeugt das Foto eher eine Ausnahmesi tuation, weil die Szraße meist voll war - auch mit Zehntonnern, die Baumaterial transportieren. In dieser Straße findet sich auch das Parfummuseum, dessen Besuch wir uns aber verkniffen haben. Als Allergikerfamilie wissen wir um unsere Reaktionen auf Duftstoffe und haben immer Angst, daß im Kino oder im Theater jemand Duftendes vor uns sitzt - dann ist der Abend gelaufen. Also kein Besuch.


Boulevard du Jeu de Ballon
Der Boulevard du Jeu de Ballon ohne Verkehr


Es fallen um die Mittagszeit größere Gruppen von - meistens Mädchen - auf, die sich mit einem Imbiß in den Schatten der Arkaden verziehen oder in schattigen Eingängen sitzen. Grasse hat eine Fachhochschule für Parfum und es gibt Bänke unter Bäumen, auf denen man sitzen kann. Keine Studentin kann jede Mittagspause im Café verbringen, doch hier gibt es Alternativen.

Mittagspause der Studentinnen der Parfumschule
Bänke oder Plätze unter Bäumen kann man gar nicht genug haben

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